Zum Hauptinhalt
Alina Kunde

Makroökonomische Stabilität, aber geringe Wachstumsimpulse

Nach einer starken Rezession im Jahr 2022 erholte sich die moldauische Wirtschaft im Jahr 2023 leicht, mit einem geschätzten BIP-Wachstum von 2,0%. Haupttreiber dieses Wachstums ist die landwirtschaftliche Produktion. Die Wachstumsprognose für 2024 ist mit 3,9% optimistischer, was vor allem auf einen erwarteten Anstieg des privaten Konsums zurückzuführen ist. Die Inflationsraten sind wieder im Toleranzbereich und erreichten 4,2% im Dez-23 in Folge einer erfolgreichen Geldpolitik der Nationalbank Moldaus (NBM). Die reale Aufwertung des moldauischen Leu birgt jedoch das Risiko, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verringern.

  • Moldau
NL 81 | Januar-Februar 2024
Makroökonomische Analysen und Prognosen

Der Warenaußenhandel erlebte 2023 einen Abschwung, der zum Teil auf einen Rückgang der Reexporte zurückzuführen ist, wobei die Dienstleistungsexporte stark blieben. Nachdem das Haushaltsdefizit im Jahr 2023 mit 5,0 % des BIP niedriger ausgefallen ist als erwartet, ist für 2024 eine Verringerung des Defizits auf 4,6 % geplant. Insgesamt hat sich die makroökonomische Lage stabilisiert, doch fehlt es der Wirtschaft weiterhin an nennenswerten Wachstumsimpulsen.

Moderate wirtschaftliche Aussichten

Nach der Rezession im Jahr 2022 sind die wirtschaftlichen Aussichten für die folgenden Jahre nur moderat. Für 2023 meldete der Internationale Währungsfonds (IWF) ein BIP-Wachstum von 2,0% gegenüber dem Vorjahr, das in erster Linie durch die gestiegene landwirtschaftliche Produktion bedingt war. Für das Jahr 2024 wird ein BIP-Wachstum von 3,9% erwartet, dass auf die Erholung des privaten Konsums aufgrund der niedrigen Inflation und die anhaltenden positiven Auswirkungen der guten Ernte im Jahr 2023 zurückzuführen ist. Diese Prognosen könnten jedoch nach unten korrigiert werden. Folglich erlebt Moldau nach der tiefen Rezession, verursacht durch kriegsbedingte Auswirkungen, nur eine moderate wirtschaftliche Erholung.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Datawrapper zu laden.

Inhalt laden

Die sektorale Dynamik für 2023 zeigt ein gemischtes Bild. Der Landwirtschaftssektor wuchs um 28%, während auch der IT-Sektor mit einem Anstieg von 10% im Vergleich zum Vorjahr ein beachtliches Wachstum verzeichnete. Sektoren wie das verarbeitende Gewerbe, das Baugewerbe und der Einzelhandel hatten jedoch Schwierigkeiten.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Datawrapper zu laden.

Inhalt laden

Stabilisierung der makroökonomischen Bedingugen

Nachdem die Inflation im Jahr 2022 fast 35% erreicht hatte, sank sie im Jahr 2023 deutlich. Dies war in erster Linie auf die wirksame Umsetzung der geldpolitischen Maßnahmen durch die NBM und den Rückgang der Lebensmittel- und Kraftstoffpreise zurückzuführen. Die NBM senkte den Leitzins schrittweise von 21,5% im November 2022 auf 4,25% im Februar 2024 und ging damit von einer restriktiven Geldpolitik zu einem Lockerungszyklus über.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Datawrapper zu laden.

Inhalt laden

Die starke Inflation im Jahr 2022 führte zu einer realen effektiven Aufwertung des Leu. Die Situation ist zwiespältig: Für die Importeure ist sie von Vorteil, da sie die Einfuhren verbilligt, aber für die Exporteure ist sie eine Herausforderung, da sie den internationalen Preis für moldauische Produkte erhöht. Der IWF schätzt die Überbewertung des Leu auf 20-25% und rechnet mit einer allmählichen Anpassung in den kommenden Jahren. Eine kontinuierliche Überwachung des realen Wechselkurses ist daher von entscheidender Bedeutung, um die Wettbewerbsfähigkeit der moldauischen Exporte im Auge zu behalten.

Warenhandel insgesamt rückläufig im Jahr 2023  

In den ersten elf Monaten des Jahres 2023 verzeichnete Moldau einen deutlichen Rückgang der Warenexporte um 6,2% im Vergleich zum Vorjahr. Dieser Rückgang war vor allem auf verringerte Exporte von Ölsaaten, ölhaltigen Früchten, deren Derivaten und Brennstoff zurückzuführen. Auch die Warenimporte gingen im selben Zeitraum um 5,8% zurück, wobei die Einfuhren von Brennstoffen, Gas und Elektrizität deutlich sanken.

Der Gesamtrückgang des Warenhandels im Jahr 2023 war in erster Linie auf verringerte Energieimporte und Reexporte zurückzuführen. Moldau spielte 2022 eine Schlüsselrolle als Zwischenhändler für den ukrainischen Handel mit der EU, indem das Land Brennstoffe zur Wiederausfuhr in die Ukraine sowie Ölsaaten, Fette, Öle und Getreide in die EU importierte. Dies führte zu einem starken Anstieg des Handels im Jahr 2022. Im Jahr 2023 gingen die Reexporte in die Ukraine jedoch zurück. Daher war der Rückgang der Reexporte ein wichtiger Faktor für den Gesamtrückgang der Exporte und nicht eine signifikante Abnahme der inländischen Exporte.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Datawrapper zu laden.

Inhalt laden

Starke Entwicklung der Dienstleistungsexporte

Der Dienstleistungssektor verzeichnete 2022 ein deutliches Wachstum, das sich auch 2023 fortsetzte. Die Exporte erreichten 2022 rund 2,3 Mrd. US-Dollar und stiegen in den ersten neun Monaten in 2023 um 11% im Vergleich zum Vorjahr. Computerdienstleistungen spielten eine entscheidende Rolle bei diesem Wachstum und machten 22% der gesamten Dienstleistungsexporte aus.

Geringere Ausschöpfung der Haushaltmittel

Für das Jahr 2023 wird ein Haushaltsdefizit von 5,0% des BIP erwartet, leicht unter dem ursprünglichen Ziel von 6,0%. Dieser Rückgang ist hauptsächlich auf eine unzureichende Ausführung des Haushaltsplans zurückzuführen, da lediglich 70% der erwarteten Investitionen getätigt wurden. Diese Tendenz zur geringeren Ausschöpfung des Haushalts, insbesondere bei öffentlichen Investitionen, bleibt für Moldau ein fortwährendes Problem, das mittelfristige Entwicklungsziele und die Fähigkeit zur Stimulierung des Wirtschaftswachstums beeinträchtigt. Einsparungen bei Energiesubventionen und geringere Lohnkosten trugen ebenfalls zu einem geringeren Haushaltsdefizit bei. Für das Jahr 2024 wird ein Defizitziel von 4,6% des BIP angestrebt. Zu den Ausgabenprioritäten gehören die Behebung von Kapazitätsengpässen im öffentlichen Dienst, die Förderung der Entwicklung des Privatsektors und eine Steigerung der Infrastrukturinvestitionen.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von Datawrapper zu laden.

Inhalt laden

Schlussfolgerungen und Ausblick

Moldaus Wirtschaft erlebt nur eine moderate wirtschaftliche Erholung nach einer erheblichen Rezession im Jahr 2022. Der anhaltende Krieg in der Ukraine beeinflusst weiterhin maßgeblich das wirtschaftliche Umfeld Moldaus. Dennoch tragen positive Anzeichen wie die sinkende Inflation und optimistische Erwartungen an die bevorstehende Ernte zu einem vorsichtig positiven wirtschaftlichen Ausblick bei.

Download als PDF

Dieser Newsletter basiert auf unserem 19. Wirtschaftsausblick Moldau.