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Carolin Busch

Wirtschaftliche Aussichten 2022 durch Inflation getrübt

Die hohe Inflation in Moldau stellt ein großes Risiko für die Wachstumsaussichten des Landes dar.

  • Moldau
NL 69 | Januar-Februar 2022
Makroökonomische Analysen und Prognosen
Zusammenfassung

Die moldauische Wirtschaft wuchs 2021 kräftig um geschätzte 7,5%, was eine vollständige Erholung nach dem pandemie- und dürrebedingten Wirtschaftsrückgang 2020 darstellt. Für 2022 wird ein moderateres BIP-Wachstum von 4,5% erwartet. Diese Aussichten sind jedoch durch erhebliche Abwärtsrisiken im Zusammenhang mit der hohen Inflation getrübt.

Die Inflation hat 2021 stark angezogen und lag im
Januar 2022 bei 16,6%. Für 2022 wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet und eine durchschnittliche jährliche Inflationsrate von 18,8% prognostiziert. Als Reaktion darauf hat die moldauische Nationalbank ihre Geldpolitik gestrafft und den Leitzins im Februar 2022 auf 10,5% erhöht. Außerdem wurde der Mindestreservesatz auf Einlagen in Leu erhöht. Unserer Ansicht nach war die bisherige geldpolitische Reaktion der Nationalbank angemessen.

Der Wechselkurs blieb bisher relativ stabil. Durch die zunehmende Inflation wertete der moldauische Leu jedoch real auf. Dies stellt eine erhebliche Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit Moldaus dar und unterstreicht die Wichtigkeit der Inflationsbekämpfung.

Das Haushaltsdefizit wird 2022 voraussichtlich auf 6,0% des BIP ansteigen. Dieser Anstieg wurde als Teil des neuen IWF-Programms vereinbart und wird durch neue Geberkredite, unter anderem vom IWF und der EU, finanziert.

Vollständige Erholung 2021, aber getrübte Aussichten

Nach dem Doppelschock aus Pandemie und Dürre im Jahr 2020, der zu einem BIP-Rückgang um 7% führte, hat sich die moldauische Wirtschaft vollständig erholt. Während der IWF das BIP-Wachstum für 2021 auf 7,5% schätzt, dürfte das tatsächliche Wachstum etwas höher ausfallen. Diese Erholung ist vor allem auf einen starken Anstieg des privaten Konsums und der Bruttoexporte zurückzuführen.

Auf der Angebotsseite trug der Dienstleistungssektor am stärksten zum Wachstum bei, da die pandemiebedingten Beschränkungen aufgehoben wurden und der Konsum wieder anstieg. Darüber hinaus stützte ein stärker als erwartetes Agrarjahr das Wachstum und die Exporte.

Für 2022 prognostiziert der IWF ein BIP-Wachstum von 4,5% gegenüber dem Vorjahr. Diese Prognose ist jedoch mit großer Unsicherheit behaftet. Erhebliche Abwärtsrisiken bestehen im Zusammenhang mit der restriktiven Geldpolitik zur Bekämpfung der hohen Inflation.

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Inflation im starken Aufwärtstrend

Nach einem niedrigen und stabilen Inflationsniveau im Jahr 2020 ist die Inflationsrate ab Q3-2021 stark gestiegen. Die Haupttreiber der Inflation in Moldau waren auf der Angebotsseite zu finden – ein Anstieg der internationalen Lebensmittelpreise und eine starke Steigerung der Energiepreise infolge der Gaskrise, die zu einem deutlich höheren Importpreis für Moldau und damit zu höheren Tarifen für die Verbraucher führte. Auf der Nachfrageseite haben ein erhöhter Konsum im Zuge der wirtschaftlichen Erholung, steigende Löhne und ein Anstieg der Bankkredite sowie der Rücküberweisungen zur Inflation beigetragen. Im Januar 2022 lag die Inflationsrate bei 16,6%. Dennoch wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet und für 2022 eine durchschnittliche Inflationsrate von 18,8% prognostiziert.

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Die Nationalbank hat auf die steigende Inflation mit mehreren Leitzinserhöhungen reagiert, von 2,65% im Juni 2021 auf 10,5% im Februar 2022. Außerdem wurde der Mindestreservesatz, das wichtigste geldpolitische Instrument in der Republik Moldau, von 26% auf 28% für Einlagen in moldauischen Leu angehoben. Es wird erwartet, dass diese Maßnahme einen Teil der überschüssigen Liquidität in der Wirtschaft absorbieren und die Inflation begrenzen wird. Obwohl diese Maßnahmen unserer Ansicht nach angemessen sind, könnte eine weitere Straffung der Geldpolitik erforderlich werden, wenn die Inflation weiter ansteigt.

Reale Aufwertung gefährdet Wettbewerbsfähigkeit

Im Laufe des Jahres 2021 ist der Wechselkurs zum US-Dollar relativ stabil geblieben. Die Devisenreserven sind aufgrund von Geberkrediten hoch. Im Januar 2022 betrug die Importdeckung 6,4 Monate. Damit ist die Nationalbank der Republik Moldau in einer recht guten Position, um bei Bedarf zusätzliche Interventionen zur Stabilisierung des Wechselkurses durchzuführen.

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Gleichzeitig hat die hohe Inflation 2021 zu einer realen effektiven Aufwertung um 10,3% gegenüber dem Vorjahr geführt. Da die reale Aufwertung die moldauischen Exporte verteuert und so Probleme für die Wettbewerbsfähigkeit darstellt, ist dies ein weiterer wichtiger Grund, die Inflation zu bekämpfen.

Außenhandelswachstum wird sich 2022 verlangsamen

Der Außenhandel erholte sich 2021 gut mit hohen Wachstumsraten sowohl bei den Exporten (27,5%) als auch bei den Importen (32,5%). Bei den Exporten wurde das Wachstum hauptsächlich von der Landwirtschaft und dem verarbeitenden Gewerbe getragen. Auf der Importseite trieben die Energiepreise und ein Anstieg der Investitionsgüterimporte das Wachstum an. Die Aussichten für 2022 sind moderater, da die positiven Basiseffekte wegfallen.

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Öffentliche Finanzen

Im Jahr 2021 betrug das Haushaltsdefizit 5,2% des BIP und war damit ähnlich hoch wie 2020. Für 2022 ist in Übereinstimmung mit dem neuen IWF-Programm ein Defizit von 6,0% des BIP geplant. Darin enthalten sind u.a. Ausgaben im Rahmen von Unterstützungsmaßnahmen für private Haushalte und Unternehmen für höhere Gaspreise. Die Finanzierung des Defizits wird durch neue Geberkredite sichergestellt, insbesondere durch das im Dezember 2021 unterzeichnete IWF-Programm in Höhe von 558 Mio. USD und neue EU-Makrofinanzhilfe in Höhe von 150 Mio. EUR. Infolgedessen wird erwartet, dass die Staatsverschuldung 2022 auf 39,5% des BIP ansteigen wird, was im internationalen Vergleich moderat ist.

Ausblick

Nach einer wirtschaftlichen Erholung 2021, die viel stärker ausfiel als erwartet, steht die Republik Moldau vor erheblichen Herausforderungen im Zusammenhang mit den Auswirkungen der hohen Inflation. Daher sind die wirtschaftlichen Aussichten für 2022 durch Unsicherheit und erhebliche Abwärtsrisiken gekennzeichnet. Folglich sollte die Bekämpfung der Inflation die unmittelbare wirtschaftspolitische Priorität sein.

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