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Woldemar Walter

Mit starkem Wachstum durch die Pandemie

Die usbekische Wirtschaft entwickelt sich noch dynamischer als vor der Pandemie. Hauptwachstumstreiber ist der private Konsum.

  • Usbekistan
NL 16 | Januar-Februar 2022
Makroökonomische Analysen und Prognosen
Zusammenfassung

Die usbekische Wirtschaft ist im vergangenen Jahr mit 7,4% gewachsen und erreichte damit eine höhere Dynamik als vor der Pandemie. Der Wachstumstreiber war dabei vor allem der private Konsum. Bei den einzelnen Wirtschaftssektoren konnten Dienstleistungen sowie die Industrie stark zulegen. Für das Jahr 2022 wird ein weiterhin hohes Wachstum von 6% prognostiziert.

Die Inflation ist im Gegensatz zu globalen Trends auf rund 10% Ende 2021 gesunken. Ein ähnliches Niveau wird auch für das aktuelle Jahr erwartet. Die Landeswährung Sum blieb 2021 gegenüber dem US-Dollar weitgehend stabil. Der Außenhandel zeigt eine deutliche Belebung. Die Exporte sind trotz eines starken Rückgangs der Goldausfuhren im vergange-nen Jahr um insgesamt 7% gewachsen. Der Anstieg bei den Importen betrug sogar 19%. Im Zusammenhang mit höheren Ausgaben aufgrund der Pandemie ist das Haushaltsdefizit im Jahr 2021 auf geschätzt 5,5% des BIP gestiegen. Dies stellt jedoch keine Gefahr für die fiskalische Tragfähigkeit dar. Das Defizit soll 2022 bereits wieder sinken.

Usbekistan kommt damit sehr gut durch die Pandemie, kann dabei allerdings auch auf umfassende internationale Unterstützung bauen. Unter der Voraussetzung, dass das Tempo bei den wirtschaftlichen Reformen beibehalten wird, erwarten wir, dass sich die positive Entwicklung in den kommenden Jahren fortsetzt.

Starkes Wirtschaftswachstum

Das usbekische BIP-Wachstum betrug im Jahr 2021 7,4% und übertraf damit sogar das Niveau vor der Pandemie. Das Wachstum stützte sich primär auf eine Belebung des privaten Konsums, der im Zeitraum Januar bis September 2021 um 10,3% stieg. Die Investitionen erholten sich nach dem Rückgang im Jahr 2020 ebenfalls und stiegen im selben Zeitraum um 5%.

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Hinsichtlich der einzelnen Wirtschaftssektoren legten im Jahr 2021 insbesondere die Industrie (+8,7%) und Dienstleistungen (+9,4%) zu. Die Landwirtschaft entwickelte sich ebenfalls solide mit einem Wachstum von 4% zum Vorjahr.

Für das Jahr 2022 wird ein weiterhin hohes BIP-Wachstum von 6% prognostiziert. Die Voraussetzungen dafür sind, dass sich die globale Erholung fortsetzt und die Pandemie beherrschbar bleibt.

Inflation sinkt weiter

Die Inflation betrug zum Jahresende 2021 rund 10%. Dies ist ein Rückgang gegenüber den Vorjahren und gelang trotz global steigender Inflationsraten. Treiber für die Teuerung waren insbesondere die steigenden Lebensmittel- und Energiepreise.

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Auch für 2022 wird eine Inflation von etwa 10% erwartet, sie soll 2023 aber einstellig werden. Die Zentralbank hat den Leitzins trotz der sinkenden Inflation bei 14% p.a. belassen. Dieser dürfte aber mit einem kontinuierlichen Rückgang der Teuerungsrate mittelfristig ebenfalls sinken.

Wechselkurs weitgehend stabil

Die Abwertung der Landeswährung Sum gegenüber dem US-Dollar betrug im Jahr 2021 nur 3,4%; das ist deutlich weniger als in den Vorjahren. Der Wechselkurs blieb damit weitgehend stabil.

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Die Währungsreserven sind weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Sie entsprachen Ende vergangenen Jahres 34,8 Mrd. USD bzw. etwa 12 Monaten Importdeckung und bilden damit einen komfortablen Puffer im Falle externer Schocks.

Das Leistungsbilanzdefizit wird vom IWF für 2021 auf 6% des BIP geschätzt. Tatsächlich wird es vermutlich geringer ausfallen, da das BIP stärker gewachsen war als prognostiziert. Zusätzlich sind auch die Rücküberweisungen mit 34% gegenüber dem Vorjahr sehr stark gewachsen und summierten sich insgesamt auf 8,1 Mrd. USD im Jahr 2021. Positiv ist, dass die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits primär durch Zuflüsse von ausländischen Direktinvestitionen und Krediten internationaler Geber erfolgt. Dies bildet die Basis für Investitionen und Reformen und damit für zukünftiges Wirtschaftswachstum.

Erholung des Außenhandels

Sowohl die usbekischen Exporte als auch die Importe sind 2021 gestiegen. Bei den Exporten betrug das Wachstum 7% zum Vorjahr, wobei insbesondere die Ausfuhren von Textilien (+63%) und Metallen (+57%) stark stiegen. Die Ausfuhr von Gold – Usbekistans wichtigstem Exportgut – ist hingegen um 29% zurückgegangen. Ohne die Berücksichtigung von Gold beträgt das Wachstum der Warenexporte sogar 36%.

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Die Importe sind vor dem Hintergrund einer starken inländischen Nachfrage um 19% gewachsen. Hierbei stiegen insbesondere die Importe von mineralischen Stoffen (+40%) sowie chemischen Erzeugnissen (+23%). Der Anstieg bei chemischen Erzeugnissen ist auch auf die erhöhte Nachfrage nach Pharmazeutika im Zusammenhang mit der Pandemie zurückzuführen. Der Außenhandel dürfte auch in den kommenden Jahren mit der zunehmenden Integration in internationale Wertschöpfungsketten weiter wachsen.

Haushaltsdefizit soll weiter wachsen

Das Haushaltsdefizit betrug in 2021 geschätzt 5,5% des BIP und lag damit höher als in den vergangenen Jahren. Dies steht in Verbindung mit umfassender staatlicher Unterstützung von Bevölkerung und Wirtschaft während der Pandemie, den Ausgaben für das Gesundheitssystem sowie für die öffentliche Infrastruktur. Durch die schrittweise Rücknahme der Antikrisen-Maßnahmen soll das Defizit im aktuellen Jahr wieder sinken.

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Die Staatsverschuldung hat Ende 2021 geschätzt 40,6% des BIP erreicht, was im internationalen Vergleich moderat ist. Diese soll nach deutlichen Anstiegen in den vergangenen Jahren ab 2023 allerdings wieder zurückgehen. Das Überschuldungsrisiko bleibt damit gering.

Fazit

Die usbekische Wirtschaft wächst trotz der Pandemie stark. Die sehr solide Entwicklung ist dabei nicht zuletzt das Ergebnis der Reformbemühungen der vergangenen Jahre und umfassender Unterstützung durch internationale Geber. Der weiterhin ambitionierte Reformkurs Usbekistans verspricht, dass dieses hohe Wachstumsniveau auch mittel- und langfristig beibehalten werden kann.

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