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Stanislav Dubko

Wesentliche Entwicklungen im Bankensektor

Der usbekische Bankensektor hat in den letzten fünf Jahren ein starkes und stetiges Wachstum verzeichnet. Die Bankaktiva stiegen auf fast 65% des BIP und sind damit höher als in Kasachstan oder der Ukraine. Gleichzeitig wird der Sektor nach wie vor von staatlichen Banken dominiert – so befinden sich 69% der Bankaktiva in Staatsbesitz.

  • Usbekistan
NL 26 | September - Oktober 2023
Finanzmärkte

Bislang wurden zwei Banken privatisiert; die sehr ehrgeizige Reformagenda sieht die Privatisierung der meisten staatseigenen Banken vor. Die Kreditvergabe an den privaten Sektor nahm stark zu und liegt nun bei 42% des BIP. Notleidende Kredite sind seit der Corona-Pandemie zurückgegangen und liegen mit 3,4% wieder auf einem komfortablen Niveau. Die wachsende Auslandsverschuldung und die hohe Dollarisierung bleiben dagegen ein Problem und stellen ein potenzielles Risiko für den Sektor dar. Insgesamt hat das Bankensystem Usbekistans eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber externen Schocks gezeigt, die durch die Corona-Pandemie und die russische Invasion in der Ukraine verursacht wurden. Allerdings behindert die damit einhergehende Unsicherheit Reform- und Privatisierungsbemühungen.

Starkes Wachstum des Bankensektors

Der usbekische Bankensektor verzeichnete in den letzten fünf Jahren ein starkes Wachstum mit einem realen Anstieg der Aktiva um rund 11% pro Jahr. Infolgedessen entsprechen die Aktiva der Banken inzwischen fast 65% des BIP, verglichen mit 53% im Jahr 2018. Die Größe des usbekischen Bankensektors im Verhältnis zum BIP ist nun mit der von Belarus vergleichbar, größer als in Kasachstan und der Ukraine, aber immer noch viel kleiner als in Russland.

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Bemerkenswert ist, dass das Wachstum des usbekischen Bankensektors beständiger war als in jedem anderen Land der Vergleichsgruppe.

Staatsanteil im Bankensektor weiterhin hoch

Im Mai 2020 startete Usbekistan ein groß angelegtes Reformprogramm für den Bankensektor, das darauf abzielt, mehrere staatliche Banken bis Ende 2025 durch Börsengänge oder den Verkauf von Bankanteilen an strategische Investoren zu privatisieren. In den ersten drei Jahren der Laufzeit des Programms wurden jedoch nur zwei Banken privatisiert. Dies kann zum Teil auf die durch die russische Invasion der Ukraine verursachte Instabilität zurückgeführt werden. Infolgedessen dominieren die zehn in Staatseigentum verbliebenen Banken nach wie vor den Markt mit 69% der Aktiva, 73% der Kredite und 52% der Einlagen. Der usbekische Bankensektor umfasst insgesamt 35 Banken.

Im Juli 2023 nahm Usbekistan Änderungen am Reformprogramm für das Bankensystem vor und verlängerte die Frist für die Privatisierung. Das Ziel einer drastischen Verringerung des staatlichen Anteils an Banken bleibt jedoch bestehen, wobei nur drei Banken mehrheitlich in Staatsbesitz bleiben sollen.

Stärkere Kreditvergabe an den Privatsektor

Die Kreditvergabe der Banken ist in den letzten fünf Jahren real um durchschnittlich 16% pro Jahr gewachsen. Der größte Teil der Kreditvergabe geht nach wie vor an die Industrie, jedoch wächst die Kreditvergabe an private Haushalte dynamisch aufgrund des Anstiegs der Hypotheken- und Autokredite.

In den letzten fünf Jahren stieg die Kreditvergabe an den privaten Sektor real um durchschnittlich 29% pro Jahr, wodurch der Anteil der Kredite an den privaten Sektor an den Gesamtkrediten auf 84% stieg. Der Anteil der Kredite an den privaten Sektor am BIP hat sich von 24% im Jahr 2018 auf 42% in 6M2023 fast verdoppelt. Bei diesem Parameter hat Usbekistan nun das Niveau von Russland erreicht. Der starke Anstieg der Kreditvergabe an den privaten Sektor verdeutlicht die signifikante Transformation der usbekischen Wirtschaft.

Notleidende Kredite

Bis Mitte 2020, als die Corona-bedingten Schocks zu wirken begannen, lag die Quote der notleidenden Kredite unter 2% und damit bemerkenswert niedrig. Die Kreditausfallrate erreichte im Oktober 2022 einen Höchststand von 5,6% und begann seither zu sinken. Der Anteil der notleidenden Kredite ist immer noch etwas höher als vor der Corona-Pandemie, aber mit 3,4% im Juli 2023 im regionalen Vergleich recht niedrig.

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Einlagen mit moderatem Wachstum

In den letzten fünf Jahren wuchsen die Einlagen in Landeswährung stetig um real etwa 15% jährlich. Die Einlagen in Fremdwährung verzeichneten im gleichen Zeitraum ein schwächeres Wachstum und wiesen seit Mai 2022 eine starke Volatilität auf, die sich durch einen plötzlichen Zufluss von Fremdwährung aus Russland erklären lässt. Auf den raschen Zufluss folgte ein rascher Rückgang, wobei die Einlagen das Land wahrscheinlich wieder verließen.

Gute Kapitalausstattung und wachsende Rentabilität

Die Kapitaladäquanzquote lag im Juli 2023 mit 17% deutlich über der von der Zentralbank vorgeschriebenen Norm von 13%. Die Rentabilität der Banken ist auf einem guten Niveau; die Eigenkapitalrendite lag im ersten Halbjahr 2023 bei 14,7% und ist in den letzten drei Jahren gestiegen. Dies war durch die Reduktion der Quote notleidender Kredite möglich.

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Relativ hohe Auslandsverschuldung und Dollarisierung

Die Auslandsverschuldung des Bankensektors ist seit 2018 rapide angestiegen und hat im Jahr 2022 14,3% des BIP erreicht. In den letzten drei Jahren haben lokale Banken begonnen, sich auf ausländischen Kapitalmärkten zu verschulden, wobei drei Banken Eurobonds begeben haben. Die Auslandsverschuldung umfasst auch die Zuflüsse von Einlagen aus Russland nach der Invasion der Ukraine. Vor diesem Hintergrund dürfte die Auslandsverschuldung im Jahr 2023 etwas zurückgehen, da die Einlagen das Land wieder verlassen. Sie bleibt im regionalen Vergleich aber hoch.

Die Dollarisierung im usbekischen Bankensektor ist seit 2018 zurückgegangen. Im Juni 2023 entfielen jedoch immer noch 33% der gesamten Einlagen und 46% der gesamten Kredite auf Fremdwährungen.

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Im regionalen Vergleich ist die Dollarisierung bei den Krediten deutlich höher als in der Vergleichsgruppe. Bei den Einlagen ist sie vergleichbar mit Kasachstan und der Ukraine. Trotz der Fortschritte bleibt die Dollarisierung ein Problem, insbesondere auf der Kreditseite.

Fazit

Der Bankensektor Usbekistans hat in den letzten fünf Jahren ein starkes Wachstum verzeichnet und zeigte sich dabei relativ immun gegenüber externen Schocks. Um diesen positiven Entwicklungspfad fortzusetzen, ist die Fortführung der ehrgeizigen Reformagenda, insbesondere der Privatisierung, von wesentlicher Bedeutung. Hier zeigen die externen Schocks jedoch ihre Wirkung, insbesondere in Form eines geringeren Interesses internationaler Investoren, vor allem aus westlichen Ländern. Trotz der erheblichen Anstrengungen, die bisher unternommen wurden, werden letztlich die Fortschritte bei der Privatisierung über Erfolg oder Misserfolg der Reformen und die künftige Entwicklung des usbekischen Bankensektors entscheiden.

Dieser Newsletter basiert auf dem Policy Briefing Banking Sector Monitor Uzbekistan

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