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Felix Schwickert, Arthur Metzger

Wachstumsmotor Tourismussektor prägt Albaniens Wirtschaft

Seit 2021 boomt Albaniens Tourismusindustrie. Die Zahl der Touristen, die pro Jahr ins Land kommen, hat sich zwischen 2021 und 2025 verdoppelt. Gleichzeitig ist der Anteil zahlungskräftiger europäischer Touristen stark gestiegen; auch dank gezielter staatlicher Maßnahmen zur Ausweitung des Flugangebots nach Albanien. Die Wirtschaft profitiert enorm von der Stärke des Tourismus-Sektors, der zentral für das Wachstum von durchschnittlich ca. 4% der letzten Jahre war. Dienstleistungsexporte erreichten dank des Tourismus Rekordhöhen, und führten so zu einer außenwirtschaftlichen Konsolidierung. Gleichzeitig trug die starke Tourismus-Dynamik zu einer Aufwertung des heimischen Leks bei, die wiederum die Inflation begrenzte, die andernorts auf dem Westbalkan ein Problem ist. Auch für 2026 wird erwartet, dass der Tourismus-Sektor maßgebend für das Wirtschaftswachstum von voraussichtlich ca. 3,6% sein wird.

  • Albanien
NL 01 | Januar-März 2026
Makroökonomische Analysen und Prognosen
Entwicklung des Tourismussektors

Seit 2021 erlebt Albanien einen Tourismusboom. Im Jahr 2025 kamen 11 Mio. Touristen ins Land, mehr als doppelt so viele wie noch 2021 (5,2 Mio.). Im gleichen Zeitraum haben sich die Hotelübernachtungen pro Jahr gar verdreifacht, was bedeutet, dass Touristen 2025 im Schnitt deutlich länger blieben als 4 Jahre zuvor. Dies liegt zum Teil daran, dass nun deutlich mehr europäische Touristen ins Land kommen als zuvor (2025: 34% aller Touristen; 2021: 20%). Auch wenn die meisten Touristen (2025: 53%) nach wie vor aus Nachbarstaaten auf dem Westbalkan kommen, gewinnen überregionale Touristen also an Bedeutung.

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Die Verschiebung hin zu mehr überregionalen Touristen ist wirtschaftlich wichtig für das Land, da diese im Schnitt länger bleiben und deutlich mehr ausgeben.

Diese positiven Entwicklungen können als Erfolg für staatliche und institutionelle Akteure gewertet werden, die den Sektor in den letzten Jahren durch gezielte Maßnahmen unterstützt haben. Gute Beispiele für erfolgreiche Maßnahmen sind etwa die Abschaffung der Luftverkehrssteuer und die Neuverhandlung von Flugkonzessionen, die den Bau weiterer Flughäfen ermöglichten. Beide Maßnahmen waren entscheidend um Investitionen großer Airlines aus dem Niedrigpreis-Segment anzuziehen. In der Folge hat sich das Angebot von Flugreisen nach Albanien zwischen 2021 und 2025 verfünffacht, was maßgeblich dazu beigetragen hat, Albanien als Urlaubsland für überregionale Touristen attraktiv zu machen.

Wie wir im Folgenden zeigen werden, war der Tourismusboom entscheidend für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung Albaniens in den letzten Jahren.

Wirtschaftswachstum

Zwischen 2022 und 2024 lag das Wirtschaftswachstum bei ungefähr 4% pro Jahr, und wurde maßgeblich von einer Ausweitung der Dienstleistungsexporte getrieben. Dienstleistungsexporte haben über die letzten Jahre sogar mehr zum Wachstum beigetragen als privater Konsum, obwohl dieser mit 70% einen viel größeren Teil des BIP ausmacht. Zwei Drittel der Dienstleistungsexporte sind tourismusbezogen, sodass deren starke Entwicklung auf den boomenden Tourismussektors zurückzuführen ist. Auch in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 blieb der Tourismus-Sektor der Hauptwachstumstreiber: Dienstleistungsexporte trugen 2,2 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum von 3,7% bei.

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Die Stärke des Tourismus-Sektors in den letzten Jahren hat die Struktur der albanischen Wirtschaft nachhaltig verändert. Tourismuseinnahmen sind von 12,5% des BIP im Jahr 2021 auf 20% im Jahr 2024 gestiegen: Eine auf dem Westbalkan einmalige Dynamik. Mittlerweile nimmt der Tourismus-Sektor, gemessen an seiner Größe relativ zum BIP, in Albanien sogar eine wichtigere Rolle ein als in Montenegro, das bisher als Haupt-Touristenziel auf dem Westbalkan galt.

Leistungsbilanz

Aufgrund seiner schwachen Industrie ist Albanien sehr importorientiert, und weist dadurch seit Jahren ein Leistungsbilanzdefizit auf. Das hohe Handelsdefizit wird dabei moderiert durch einen Überschuss im Dienstleistungshandel (Tourismus) und Rücküberweisungen der Diaspora.

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Seit 2021 hat sich das Leistungsbilanzdefizit deutlich verringert. Für 2025 schätzt der IWF ein Defizit von 2,8% des BIP. Auch für diese positive Entwicklung war der Tourismusboom entscheidend, da er zu einer Erhöhung des Dienstleistungsbilanzüberschusses von 11,8% auf 15,0% führte. Außerdem trug er – wie im folgenden Abschnitt näher beschrieben wird – zu einer Aufwertung des Leks bei, und so indirekt zu einer Verringerung des Handelsdefizits, da die Währungsaufwertung den nominalen Wert der Importe reduzierte.

Wechselkurs

Wie bereits erwähnt, hat der Lek seit 2021 erheblich aufgewertet. Während man im Jan-21 für einen Euro noch 123,5 Lek bekam, liegt der Wechselkurs im Dez-25 bei 98,7 Lek. Das entspricht einer kumulierten Aufwertung des Leks von rund 27%. Die rapide Aufwertung hat mehrere Ursachen, die Hauptursache ist jedoch der Tourismusboom. Vielerorts wenden sich Albaner von der bislang dominierenden Landwirtschaft ab und dem Tourismus zu, was die durchschnittliche Arbeitsproduktivität steigert. Außerdem kommt mit den Touristen deutlich mehr Fremdwährung nach Albanien. Beides trägt zu einer Aufwertung des Leks bei. Die albanische Zentralbank ließ die Währungsaufwertung zu, verlangsamte sie aber kontrolliert durch den Aufbau von Devisenreserven. Bis zum Ende des Jahres 2025 baute sie Devisenreserven auf, mit denen 7 Monate an Importen gedeckt werden könnten, was zur außenwirtschaftlichen Stabilität beiträgt. Außerdem reduziert die starke Aufwertung des Lek Importpreise und hält so die Inflation gering, die andernorts auf dem Westbalkan, getrieben von Importpreisen für Lebensmittel, gerade ein Problem ist.

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Ausblick

Für 2026 prognostiziert der IWF ein Wirtschaftswachstum von 3,6%. Im nächsten Jahr soll sich die Anzahl von Touristen im Land weiter erhöhen, wenn auch mit moderaterem Tempo als bisher. So bleibt der Tourismus-Sektor weiterhin zentral für Albaniens wirtschaftliche Entwicklung.

Der Tourismusboom bringt Albanien kurzfristig wichtige Wohlstandsgewinne, bietet langfristig jedoch nur begrenztes Wachstumspotenzial. Es ist daher wichtig, den gewonnen Spielraum zu nutzen um gezielt Investitionen auch in andere Sektoren – wie etwa den IT & BPO oder den Kunststoff Sektor – anzuziehen.

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Dieser Newsletter basiert auf der dritten Ausgabe unseres Wirtschaftsausblicks Albanien.

Quellen