Zum Hauptinhalt
Sebastian Staske

Wachstumsaussichten bleiben hoch, mit leichter Abkühlung

Die Wirtschaftslage bleibt mit einem prognostizierten Wachstum von rund 7,4% auch 2025 weiterhin robust. Das Wachstum wird von starkem Konsum und der Dynamik im Dienstleistungssektor getragen. Im nächsten Jahr wird eine Verlangsamung des Wachstums auf etwa 5,0% erwartet, was in etwa dem Potenzialwachstum entspricht. Damit bliebe Georgien weiter einer der Spitzenreiter der Region. Die Inflation liegt seit Mrz-25 über dem Zielwert der NBG von 3%, was hauptsächlich auf höhere Lebensmittelpreise zurückzuführen ist. Der Lari hat sich 2025 bei rund 2,70 GEL/USD stabilisiert.

  • Georgien
NL 65 | Oktober - Dezember 2025
Makroökonomische Analysen und Prognosen

Die Währungsreserven haben sich deutlich erholt und erreichen mit 5,4 Mrd. USD ein neues Rekordhoch. Im Außenhandel bleiben die Reexporte von Autos sowie die Dienstleistungsexporte zentrale Themen. Das Haushaltsdefizit soll mit rund 2,5% des BIP auch mittelfristig im Rahmen bleiben. Im Frühjahr 2026 läuft der Eurobond aus, wobei der gestiegene Risikoaufschlag höhere Refinanzierungskosten erwarten lässt.

Wachstum bleibt hoch, 2026: leichte Abkühlung

Laut Schätzungen der Nationalbank Georgiens (NBG) wird die Wirtschaft dieses Jahr um 7,4% wachsen. Damit setzt Georgien sein bereits seit längerem hohes Wirtschaftswachstum fort. Die Konsumausgaben bleiben hoch, wobei nach dem starken Anstieg 2024 eine gewisse Normalisierung zu erwarten ist. Bruttoanlageinvestitionen dürften ebenfalls einen positiven Beitrag leisten, allerdings mit einer geringeren Dynamik als in den vergangenen Jahren. Aus sektoraler Sicht ist neben dem stets wichtigen Tourismussektor auch das hohe Wachstum im IT-Sektor hervorzuheben.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Datawrapper. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Für 2026 wird ein moderates Wachstum von rund 5,0% prognostiziert, was dem langfristigen Potenzialwachstum entspricht. Der Rückgang ist vor allem auf eine Normalisierung der inländischen und ausländischen Nachfrage zurückzuführen. Dennoch bleibt Georgien eine der stärksten Volkswirtschaften der Region.

Inflation steigt über Zielwert, Leitzins unverändert

Die Inflation ist im Jahresverlauf 2025 kontinuierlich gestiegen und lag im Nov-25 bei 4,8%. Hauptgrund ist der Anstieg der Lebensmittelpreise.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Datawrapper. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Zwar liegt die Inflation damit seit Mrz-25 über dem Zielwert von 3%. Allerdings betrug die Kerninflation (d.h. ohne Lebensmittel und Energie) im Nov-25 nur 2,3%. Die NBG erwartet daher, dass sich die Inflationsrate in den kommenden Monaten wieder stabilisieren wird. Trotzdem wird eine vorsichtige Geldpolitik beibehalten. So liegt der Leitzins seit Mai-24 unverändert bei 8%. Die weitere Entwicklung wird im Wesentlichen davon abhängen, ob die Inflationsrisiken anhalten werden.

Wechselkurs stabil, deutliche Erholung der Reserven

Der Lari hat sich 2025 stabilisiert und bewegt sich aktuell um 2,70 GEL/USD, was eine gewisse Erholung nach dem Abwertungsdruck im letzten Jahr darstellt.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Datawrapper. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Datawrapper. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Nachdem die Währungsreserven im Verlauf des letzten Jahres aufgrund von mehrfachen Devisenverkäufen deutlich gefallen waren, hat die NBG in den vergangenen Monaten verstärkt Währungskäufe getätigt. Die Währungsreserven stiegen dadurch wieder deutlich und erreichten im Nov-25 ein Allzeithoch von 5,8 Mrd. USD. Unterstützt wurde die Entwicklung auch durch eine Wertsteigerung der Goldreserven. Der Anstieg der Reserven (41% zum Vj.) gibt der NBG wieder mehr Handlungsspielraum, um in Krisensituationen auf dem Währungsmarkt aktiv zu werden.

Reexporte und Dienstleistungsexporte bleiben stark

Im Warenhandel sollen Ex- und Importe dieses Jahr jeweils um rund 8% wachsen. Hierbei spielen die Reexporte, insbesondere von Kraftfahrzeugen, weiterhin eine zentrale Rolle. Für 2026 wird eine ähnliche Entwicklung erwartet. Die Dienstleistungsexporten sollen dieses Jahr um 9,6% steigen, da sich die positive Dynamik beim Tourismus sowie im IT-Sektor fortsetzt. Diese Entwicklung soll sich 2026, mit einem geschätzten Wachstum von 8,2%, weitgehend fortsetzen. Das Leistungsbilanzdefizit wird dieses Jahr 4,5% erreichen und soll nächstes Jahr ähnlich hoch ausfallen.

Haushaltslage gut, Refinanzierung des Eurobonds

Die Staatsverschuldung wird für 2025 voraussichtlich bei 35,9% des BIP liegen, was hauptsächlich durch das anhaltend starke Wirtschaftswachstum und die Aufwertung des Lari begünstigt wird. Das Haushaltsdefizit bleibt mit 2,5% des BIP weiterhin im Rahmen der Fiskalregel, was auf eine solide Haushaltsführung hinweist.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Datawrapper. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Eine Entwicklung, die im kommenden Jahr zu beobachten sein wird, ist die anstehende Refinanzierung des Eurobonds. Zwar ist die Schuldenstruktur überwiegend durch multilaterale und bilaterale Kredite geprägt, die zu vergünstigten Konditionen vergeben wurden. Daneben hat Georgien jedoch auch einen Eurobond emittiert, der mit 500 Mio. USD ca. 4% der Gesamtverschuldung ausmacht. Dieser wird nach Ende seiner fünfjährigen Laufzeit im April 2026 fällig und die Regierung arbeitet gerade an den Konditionen für die Refinanzierung. Die Risikoprämie, also der Zinsaufschlag gegenüber einer US-Staatsanleihe gleicher Laufzeit, ist dabei ein Indikator für die Marktwahrnehmung Georgiens als Kreditnehmer. Seit Frühjahr 2024 ist die Risikoprämie deutlich gestiegen. Lag sie damals mit rund 150 bis 200 Bp sogar leicht unter dem Niveau bei Ausgabe der Anleihe, liegt sie aktuell bei rund 350 bei 400 Bp. Sollte diese Entwicklung anhalten, müsste Georgien somit bei der Refinanzierung nicht nur aufgrund des global gestiegenen Zinsniveaus höhere Kosten tragen, sondern zusätzlich auch aufgrund des gestiegenen wahrgenommenen Länderrisikos.

Ausblick

In einem herausfordernden globalen Umfeld bleibt das Wachstum weiterhin hoch. Auch der Ausblick für 2026 ist positiv. Dies ist das Ergebnis einer starken Binnennachfrage sowie einer stabilen Lage im Außenhandel und bei den öffentlichen Finanzen. Positiv zu vermerken ist die deutliche Erholung der Währungsreserven, die Ende 2025 ein Rekordhoch erreicht haben. Diese Erholung hat auch dazu beigetragen, dass Fitch den Ausblick für das Rating kürzlich von negativ auf stabil erhöht hat.

Mit Blick auf den hohen Anteil der Verschuldung in Fremdwährung bleibt die Risikoprämie ein wichtiger Richtwert für die wirtschaftliche Entwicklung. Ihr Anstieg zeigt, dass das wahrgenommene Länderrisiko gestiegen ist. Dies könnte bei der Refinanzierung des Eurobonds im Frühjahr 2026 bereits erste Auswirkungen auf die Refinanzierungskosten haben. Da ein Großteil der Verschuldung durch internationale Partner vergeben wurde, sind diese jedoch begrenzt.

Die wirtschaftliche Stabilität Georgiens wird maßgeblich davon abhängen, wie das Land mit den bestehenden Herausforderungen umgeht. Die Politik muss weiterhin ein Umfeld schaffen, das das Vertrauen von Marktteilnehmern und Investoren stärkt, um die positive wirtschaftliche Entwicklung fortzusetzen. Trotz des schwierigen Umfelds bleibt Georgien wirtschaftlich gut positioniert, wenn es gelingt, makroökonomische Stabilität zu gewährleisten und externe Schocks abzufedern.

PDF Download

Dieser Newsletter basiert auf der 22. Ausgabe unseres Wirtschaftsausblicks Georgien.