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Dmitry Chervyakov

Wachstum trotz Iran-Konflikt weiterhin robust

Die armenische Wirtschaft bleibt auf einem robusten Wachstumspfad, wenngleich sich die Dynamik nach dem starken Anstieg in 2025 etwas abschwächt. Für 2026 erwartet der IWF ein BIP-Wachstum von 5,3%, das vor allem vom privaten Konsum sowie dem expandierenden Dienstleistungssektor getragen wird. Insgesamt blieben die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf Armenien bisher gering, da der Festpreisvertrag für Gas mit Russland den Großteil des Energiepreisschocks abfedert. Aufgrund der starken Abhängigkeit von importierten Lebensmitteln wird es jedoch zu einem Anstieg der Inflation auf 3,6% in 2026 kommen. Der armenische Dram ist weiterhin stark, während die Währungsreserven im Juni 2026 mit 5,9 Mrd. USD ein neues Allzeithoch erreichten. Das hohe Leistungsbilanzdefizit soll im laufenden Jahr leicht auf 6,0% des BIP zurückgehen. Auch der Außenhandel ist bislang nur begrenzt vom Iran-Konflikt betroffen. Höhere Energieimportkosten und das russische Einfuhrverbot für Lebensmittel dürften jedoch die Handelsdynamik belasten. Eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftsbeziehungen zu Russland sowie eine längere Dauer des Iran-Konflikts sind die Hauptrisiken für die Prognose.

  • Armenien
NL 30 | Juli - August 2026
Makroökonomische Analysen und Prognosen
Iran-Konflikt dämpft globales Wirtschaftswachstum

Der wichtigste Wirkungskanal des Iran-Konflikts ist der globale Anstieg der Energiepreise. Durch die Blockade der Straße von Hormus, durch die laut dem IWF rund 25-30 % des weltweiten Öl- und LNG-Handels abgewickelt werden, kam es zu einer Verknappung des Angebots an Öl und Gas. Dadurch sind die Preise für Rohöl, Ölprodukte und Gas stark angestiegen und bleiben aktuell auf einem hohen Niveau. Auch die Preise für Düngemittel sind gestiegen. Allerdings dürfte die kurzfristige Auswirkung begrenzt sein, da ein Großteil des Bedarfs für die aktuelle Saison bereits gedeckt ist. In der Folge kam es nur zu einem moderaten Anstieg der globalen Lebensmittelpreise. Im Vergleich zum Krieg in der Ukraine hat der Iran-Konflikt keine größeren Lieferengpässe für Lebensmittel ausgelöst. Je länger der Konflikt andauert, desto größer und struktureller wird jedoch seine Wirkung auf die Weltwirtschaft ausfallen. In seinem Referenzszenario, das die Grundlage für die hier referierten Prognosen bildet, rechnet der IWF bereits mit einem globalen Rückgang des Wachstums um 0,5%. Aktuell nähern wir uns jedoch bereits dem Negativszenario, das einen Rückgang um 1,5% prognostiziert.

Energiepreisschock hat kaum Wirkung auf ArmenienDa der

Energieschock der Hauptwirkungskanal ist, hängen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konflikts stark vom Energiemix ab. In Armenien macht Gas rund 57% des Primärenergieverbrauchs aus; weitere 16% entfallen auf Ölprodukte. Kernkraft (19%) und erneuerbare Energiequellen (7%) sind vom Energiepreisschock im Zuge des Iran-Konflikts nicht direkt betroffen. Da Armenien weder Öl noch Gas selbst fördert, müssen beide Rohstoffe importiert werden. Bereits bei einer kurzen Konfliktdauer (IWF-Annahme: Gas- und Ölpreise steigen im Jahresmittel um 23% bzw. 21% im Vgl. zum Vj.) würden die Importkosten deutlich zunehmen. Jedoch hat Armenien einen langfristigen Festpreisvertrag, zu dem es Erdgas aus Russland bezieht. Dies passiert zu einem sehr geringen Preis von 165 USD/tcm, welcher auch nicht aufgrund des Konflikts angepasst wurde. Somit nehmen wir an, dass ein Großteil des Energiepreisschocks keine Auswirkungen auf Armenien hat.

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Im Jahr 2025 beliefen sich die armenischen Gas- und Ölproduktimporte auf rund 1.089 Mio. EUR, was 3,7% des BIP entspricht. Dies ist ein deutlich geringerer Anteil als in Moldau (9,2% des BIP), wo Gas zum Marktpreis bezogen wird. Ein illustratives Szenario verdeutlicht das potenzielle Ausmaß der Auswirkungen des Iran-Konflikts auf Armenien: Insgesamt schätzen wir, dass die Importkosten um etwa 131 Mio. USD zunehmen, was nur 0,4% des BIP entspricht. Dies spricht für eine eher geringe Wirkung des Energieschocks.

Wachstum kaum vom Iran-Konflikt betroffen

Im Jahr 2025 ist die armenische Wirtschaft um starke 7,2% zum Vj. gewachsen. Auch wenn sich diese Dynamik in 2026 etwas abschwächt, wird das Wachstum mit 5,3% zum Vj. weiterhin sehr robust bleiben. Der anhaltend starke private Konsum sowie der expandierende Dienstleistungssektor (vor allem IKT) tragen das Wachstum. Die Auswirkungen des Iran-Konflikts bleiben dabei sehr gering. Der IWF hat seine Prognose im Vergleich zu vor dem Beginn des Krieges nur leicht um 0,2 Pp nach unten korrigiert.

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Allerdings setzen die aktuellen Prognosen einen kurzlebigen Konflikt voraus. Sollte dieser länger andauern, sind stärkere Auswirkungen wahrscheinlich. Darüber hinaus ist das Jahr auch von einer deutlichen Verschlechterung der wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland geprägt. Die im Mai 2026 eingeführten Einfuhrverbote für armenische Lebensmittel (Fisch, Gemüse, Obst, alkoholische Getränke) sowie Blumen bleiben auch aktuell noch bestehen und schwächen die armenischen Exporte.

Inflation steigt jedoch leicht an

Auch wenn die weltweiten Lebensmittelpreise nur leicht gestiegen sind, hat dies signifikante Auswirkungen auf Armenien. Dies liegt vor allem daran, dass der Warenkorb der Verbraucher zum größten Teil (39%) aus Lebensmitteln besteht. So hat der IWF aufgrund des Iran-Kriegs seine Inflationsprognosen für Armenien um 0,6 Pp angehoben. Somit wird für 2026 mit einem Anstieg der Verbraucherpreise um 3,6% gerechnet.

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Die Inflation bleibt damit aber weiterhin innerhalb des Inflationsziels von 3% ± 1 Pp und somit unter Kontrolle. Der Leitzins steht bei 6,5% p.a. und wurde seit Dezember 2025 nicht verändert.

Außenwirtschaftssektor bleibt resilient

Der armenische Dram wertete 2026 leicht auf, während die Währungsreserven im Juni 2026 auf ein Allzeithoch von 5,9 Mrd. USD kletterten. Damit steigt auch die Importdeckung auf 4,8 Monate – ein komfortabler Wert, um als Puffer gegen externe Schocks zu fungieren. Für das Leistungsbilanzdefizit wird ein Rückgang auf 6,0% des BIP prognostiziert. Zwar hat der IWF auch hier seine Prognose angepasst. Das liegt jedoch vor allem daran, dass frühere Handelsschocks unberücksichtigt waren.

Auch der Außenhandel ist kaum vom Iran-Konflikt betroffen. Aufgrund des erwarteten Anstiegs der Energiepreise ist lediglich mit einem leichten Anstieg der Importkosten zu rechnen. Auf der Exportseite sind hingegen keine positiven Effekte zu erwarten, da Armenien keine Güter exportiert, die von höheren Energiepreisen profitieren. Zudem dürfte die schwache globale Nachfrage die Exportentwicklung belasten. Zwar ist Russland der wichtigste Handelspartner Armeniens, der aktuell vom Energieschock profitiert. Jedoch ist keine zusätzliche Nachfrage nach armenischen Exporten zu erwarten. Im Gegenteil belasten die aktuellen Einfuhrverbote für armenische Waren die Handelsbeziehungen.

Ausblick

Insgesamt sind die Auswirkungen des Iran-Konflikts auf die armenische Wirtschaft bisher begrenzt. Dies liegt vor allem daran, dass der Festpreisvertrag für Gas einen Großteil des Energiepreisschocks abfedert. Nichtsdestotrotz hat der Iran-Konflikt noch kein Ende gefunden. Hält die Blockade der Straße von Hormus noch länger an, werden die negativen Auswirkungen auf Armeniens Wirtschaft stärker ausfallen als bislang angenommen. Hinzu kommt die Verschlechterung der wirtschaftspolitischen Beziehungen zu Russland – ein weiterer Hauptrisikofaktor für die Prognose. Positive Impulse könnten durch weitere Fortschritte bei den Verhandlungen zur Grenzöffnung mit der Türkei entstehen.

PDF Download

Dieser Newsletter basiert teilweise auf der 15. Ausgabe des Wirtschaftsausblicks Armenien und dem Policy Briefing „Economic implications of the Iran conflict for Armenia“.

 

Quelle
  • Statistisches Amt der Republik Armenien (ARMSTAT) (2026a). External trade database by country [Datensatz]. Abgerufen am 24 April 2026, von https://armstat.am/en/?nid=717
  • Statistisches Amt der Republik Armenien (ARMSTAT)(2026b). External trade database According to the Commodity Nomenclature at 4-digit level [Datensatz]. Abgerufen am 24 April 2026, von https://armstat.am/en/?nid=148
  • Internationaler Währungsfonds (IWF) (2025). Republic of Armenia: 2025 Article IV Consultation, Sixth Review Under the Stand-By Arrangement, Request for Cancellation of the Current Stand-By Arrangement, and Request for a New Stand-By Arrangement-Press Release; Staff Report; and Statement by the Alternate Executive Director for the Republic of Armenia. Abgerufen am 23 April 2026, von https://www.imf.org/en/publications/cr/issues/2025/12/05/republic-of-armenia-2025-article-iv-consultation-sixth-review-under-the-stand-by-572337
  • Internationaler Währungsfonds (IWF) (2026). World Economic Outlook, April 2026 [Datensatz]. Abgerufen am 22 April 2026, von https://data.imf.org/en/datasets/IMF.RES:WEO