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Woldemar Walter, Sebastian Staske

Vorschläge für ein besseres Geschäftsklima in Nordmazedonien

In den vergangenen Jahren ist es Nordmazedonien gelungen, erhebliche ausländische Investitionen anzuziehen. Gleichzeitig besteht noch Spielraum diese weiter zu steigern. Vor diesem Hintergrund hat das German Economic Team das Geschäftsklima in Nordmazedonien analysiert, mit einem Fokus auf Herausforderungen für Unternehmen sowie auf Vorschläge für Maßnahmen, um die Geschäftstätigkeit zu erleichtern. Die Empfehlungen reichen von der Verbesserung der Investorennachbetreuung über einen erleichterten Zugang für ausländische Arbeitskräfte, die Stärkung der Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen bis hin zu einer Verbesserung der Zahlungsmoral des Staates bei öffentlichen Aufträgen. Die Ergebnisse wurden der Regierung vorgelegt und mit ihr erörtert, die sich offen zeigte, an den identifizierten Herausforderungen zu arbeiten. Wir stehen bereit, diesen Prozess weiterhin mit weiterer Beratung und Unterstützung zu begleiten.

  • Nordmazedonien
NL 03 | Januar-März 2026
Governance und öffentliche Verwaltung
Geschäftsklima als Schlüsselfaktor für Wachstum

Nordmazedonien verzeichnet seit 2021 ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum, mit einer realen jährlichen BIP-Steigerung von bis zu 4,5%. Ausländische Direktinvestitionen (FDI) spielen dabei eine zentrale Rolle. Der FDI-Bestand ist von 47% des BIP im Jahr 2014 auf 54% im Jahr 2024 gestiegen. Der Großteil des Bestands kam dabei 2024 aus der EU (68%). Zu den Schlüsselbranchen zählen die Automobilindustrie, die eng mit dem deutschen Automobilsektor verflochten ist, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sowie der Groß- und Einzelhandel. Trotz dieser positiven Entwicklung sind stärkere Investitionszuflüsse möglich, wie Beispiele aus anderen Ländern der Region zeigen.

GET- Studie zur Verbesserung des Geschäftsklimas

In Zusammenarbeit mit der Delegation der Deutschen Wirtschaft (AHK) in Nordmazedonien hat das German Economic Team Empfehlungen zur Verbesserung des Geschäftsklimas erarbeitet. Wir verfolgten dabei einen Bottom-up-Ansatz, d.h. wir entwickelten Empfehlungen zur Lösung von Problemen, die Unternehmen als wesentlich für ihren täglichen Geschäftsbetrieb erachten. Hierfür wurde ein strukturierter Fragebogen an die Mitgliedsunternehmen der AHK verteilt. Auf Grundlage der Antworten wurden im Rahmen mehrerer Informationsreisen vertiefende Gespräche mit ausgewählten Befragten geführt. Zusätzlich fanden Gespräche mit Mitgliedsunternehmen des Foreign Investors Council statt. Wir haben sichergestellt, dass die Vorschläge mit übergeordneten Reformzielen im Einklang stehen, dem Land als Ganzes und nicht nur einzelnen Unternehmen und relativ einfach umzusetzen sind. Dieser Newsletter stellt einige dieser Empfehlungen vor.

Bessere Nachbetreuung ausländischer Investoren

Die Nachbetreuung (engl. Aftercare) ist ein entscheidender Bestandteil des Investitionszyklus, da bis zu 70% aller ausländischen Direktinvestitionsprojekte auf Erweiterungen oder Reinvestitionen entfallen. Dennoch berichten Unternehmen in Nordmazedonien häufig von einem Mangel an strukturierte Nachbetreuung und einer begrenzten institutionelle Unterstützungsbereitschaft, sobald die anfängliche Investitionsphase abgeschlossen ist. Investoren stoßen oft auf Schwierigkeiten bei Themen wie Genehmigungsverfahren, der Bereitstellung von Infrastrukturdienstleistungen sowie bei Fragen zu finanzieller Unterstützung oder staatlichen Beihilfen. Wir empfehlen, die Nachbetreuung von einer rein reaktiven Problemlösung hin zu einer proaktiven und strukturierten Betreuung ausländischer Investoren weiterzuentwickeln. Kurzfristig könnten regelmäßige Austauschformate – wie beispielsweise vierteljährliche Unternehmensbesuche – eingeführt werden, um geplante Projekte, operative Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe zu erörtern.

Mittel- bis langfristig könnten mehrere strukturelle Verbesserungen die Nachbetreuung weiter stärken. Nach dem Prinzip „ein Ansprechpartner für den Kunden“ könnten die Zuständigkeiten von Invest North Macedonia und der Direktion für Technologische Industrieentwicklungszonen (TIDZ) gebündelt werden. Zudem sollte ein einheitlicher Nachbetreuungs-Mechanismus entwickelt sowie ein dediziertes Aftercare-Team mit klar definierten Aufgaben und einem realistischen Dienstleistungsportfolio aufgebaut werden.

Erleichterter Zugang für ausländische Arbeitskräfte

Nordmazedonien steht vor einem zunehmenden Fachkräftemangel, der maßgeblich durch anhaltende Abwanderung in die EU verursacht wird. Während Investitionen in die heimische Erwerbsbevölkerung weiterhin unerlässlich sind, stellt die Anwerbung qualifizierter ausländischer Arbeitskräfte eine wichtige ergänzende Maßnahme dar. Unternehmen berichten jedoch, dass der Einstellungsprozess ausländischer Beschäftigter nach wie vor mit hohem Bürokratischem Aufwand verbunden ist. Der Verwaltungsaufwand ist hoch, z.B. aufgrund der Pflicht zur Einreichung aller Dokumente in Papierform, häufig notariell beglaubigt, mit Apostille versehen und übersetzt, sowie der Pflicht der erneuten Vorlage aller Dokumente bei Verlängerungen.

Trotz laufender Reformen sehen wir Spielraum für leicht umsetzbare Verbesserungen. Kurzfristig könnten die Behörden den vorläufigen Arbeitsantritt bereits nach Erteilung der Aufenthaltsgenehmigung gestatten, wobei die Registrierung nach Ausstellung des Personalausweises aktualisiert werden müsste.

Mittel- bis langfristig sollten die digitale Einreichung von Anträgen und Unterlagen über das nationale E-Services-Portal (uslugi.gov.mk) eingeführt und Verlängerungsverfahren vereinfacht werden. Für hochqualifizierte Fachkräfte oder Arbeitnehmer in Mangelberufen könnten beschleunigte Verfahren eingeführt und die Arbeitserlaubnisse auf bis zu drei Jahre verlängert werden.

Stärkere Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen

Unternehmen in Nordmazedonien stehen bei der Nutzung öffentlicher E-Services weiterhin vor Herausforderungen. Zwar können einige Verwaltungsvorgänge online eingeleitet werden, dennoch sind viele Prozesse weiterhin fragmentiert und erfordern manuelle Schritte. Zudem zwingt die mangelnde Interoperabilität zwischen öffentlichen Einrichtungen Unternehmen oft dazu, Dokumente erneut einzureichen, die eigentlich bereits in den Regierungssystemen verfügbar sein sollten.

Wichtige Schritte in Richtung digitaler Transformation wurden bereits unternommen, darunter die Einrichtung eines Ministeriums für digitale Transformation, was ein stärkeres politisches Engagement signalisiert. Auch das nationale E-Services-Portal wurde überarbeitet, um Benutzerfreundlichkeit und Zugänglichkeit zu verbessern.

Darüber hinaus empfehlen wir koordinierte Informationskampagnen, um Unternehmen über verfügbare E-Services, deren Rechtsgültigkeit und Zugang zu diesen zu informieren. Der rechtliche Status elektronischer Signaturen sollte klarer geregelt und gestärkt werden, insbesondere im Hinblick auf handschriftliche Signaturen auf elektronischen Geräten. Die rechtliche Harmonisierung mit dem Digitalisierungsrahmen sollte beschleunigt werden. Sektorale Gesetze sind häufig noch nicht auf die Digitalisierungsgesetze abgestimmt.

Weniger Verzögerungen bei staatlichen Zahlungen

Ein weiteres häufig genanntes Problem sind Zahlungsverzögerungen der öffentlichen Hand an Unternehmen im Rahmen öffentlicher Aufträge. Diese Verzögerungen wirken sich auf die gesamte Wirtschaft aus und führen zu systemischen Liquiditätsproblemen, die insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sowie Neugründungen überproportional treffen.

Zahlungsverzögerungen verursachen zudem zusätzliche Kosten für den Staat. Weniger Unternehmen sind bereit sich an öffentlichen Ausschreibungen zu beteiligen, was den Wettbewerb einschränkt. Teilnehmende Unternehmen erhöhen häufig ihre Preise, um das Risiko verspäteter Zahlungen auszugleichen. Obwohl es formal rechtliche Durchsetzungsmechanismen gibt, zögern Unternehmen oft, rechtliche Schritte gegen den Staat einzuleiten, da sie negative Auswirkungen auf zukünftige Aufträge oder Repressalien befürchten.

Gesetzesänderungen, wie die Verkürzung Zahlungsfrist auf 30 Tage sowie bestehende Verzugszinsregelungen, haben das grundlegende Problem bisher nicht gelöst.

Kurzfristig empfehlen wir die Einrichtung eines geschützten Beschwerdemechanismus, beispielsweise anonyme oder durch Dritte vermittelte Kanäle, über die Unternehmen Zahlungsverzögerungen melden können, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Gleichzeitig wäre es wichtig, die Haushaltskonsolidierung voranzutreiben, da anhaltende Haushaltsdefizite nicht nur die makroökonomische Stabilität gefährden, sondern auch direkte Auswirkungen auf Unternehmen und das Investitionsklima haben.

Mittel- bis langfristig könnten eine Stärkung der Kapazitäten der Finanzaufsichtsbehörde sowie der Steuerverwaltung die Aufsicht und Durchsetzung verbessern und damit zu zuverlässigeren und pünktlicheren Zahlungen der öffentlichen Hand beitragen. Diese Maßnahmen würden auch helfen, ein weiteres verwandtes Problem zu adressieren: die pünktliche Erstattung der Umsatzsteuer, die von Unternehmen ebenfalls häufig aufgrund von Verzögerungen angeprangert wird.

Ausblick

Die Ergebnisse der Analyse wurden der Regierung vorgelegt und im November 2025 im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung vorgestellt. Die Regierung hat sich mit den Empfehlungen auseinandergesetzt und Offenheit gezeigt, die identifizierten Herausforderungen anzugehen. In einigen Bereichen wurden Empfehlungen bereits teilweise umgesetzt, beispielsweise im Hinblick auf die Verbesserung des Zugangs für ausländische Arbeitskräfte. Das German Economic Team wird diesen Prozess weiterhin begleiten und steht für weitere Beratung und Unterstützung zur Verfügung.

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Dieser Newsletter basiert auf dem Policy Briefing “Improving the Business Climate – Boosting Investment Selected Recommendations from Foreign Investors in North Macedonia”.