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Jente Mork

Stromversorgungslücke in Kosovo: Auswirkungen und Lösungsansätze

Die Stromerzeugung in Kosovo konnte die steigende Nachfrage in den letzten Jahren nicht decken. Mit einer verfügbaren Erzeugungskapazität von 1.243 MW ist das Land auf Stromimporte angewiesen, um den Spitzenbedarf zu decken, der 2024 1.472 MW erreichte. Da die Nachfrage weiter steigt, wird sich diese Lücke voraussichtlich vergrößern. Diese Abhängigkeit von Importen erhöht die Anfälligkeit für Preisschwankungen und mögliche Unterbrechungen der Versorgung, was sich sowohl auf private Verbraucher als auch auf Unternehmen auswirkt. Um diesem Problem zu begegnen, ist eine Kombination aus Maßnahmen auf der Nachfrageseite, wie etwa Verbesserungen der Energieeffizienz, und Angebotslösungen, einschließlich einer erheblichen Ausweitung der Kapazitäten für erneuerbare Energien, von entscheidender Bedeutung. Kosovo hat sich ehrgeizige Ziele für erneuerbare Energien gesetzt und strebt bis 2031 eine Erzeugungskapazität von 1.600 MW aus erneuerbaren Energien an. Die Fortschritte beim Ausbau der erneuerbaren Energien verlaufen jedoch langsamer als erwartet. Eine klare und stabile strategische Ausrichtung ist entscheidend für die Verbesserung der Energiesicherheit Kosovos und die Unterstützung des Übergangs zu einem nachhaltigeren Stromsektor.

  • Kosovo
NL 27 | Januar-Februar 2026
Energie und Klima
Die Rolle von Strom im sektoralen Energieverbrauch

Elektrizität ist für Haushalte und die Wirtschaftstätigkeit in Kosovo unverzichtbar. Im Jahr 2023 machte sie 31% des Endenergieverbrauchs aus, wobei ihr Anteil in Haushalten sogar noch höher war. Als größte Verbraucher sind Haushalte in erster Linie auf Elektrizität (51%) und Biomasse (43%) angewiesen. Der hohe Anteil von Biomasse spiegelt die weit verbreitete Nutzung von Brennholz zum Heizen wider. Der gesamte übrige Energiebedarf der Haushalte, wie Kühlung, Warmwasserbereitung, Kochen, Beleuchtung und Haushaltsgeräte, wird vollständig durch Strom gedeckt. Strom macht auch mehr als ein Viertel des gesamten Energieverbrauchs der Industrie aus.

Stromnachfrage

Der Stromverbrauch ist stetig angestiegen. In den letzten zehn Jahren ist der Spitzenbedarf um 34% gestiegen und erreichte 2024 1.472 MW. Der Spitzenbedarf ist definiert als der höchste zeitgleiche Bedarf innerhalb eines bestimmten Jahres und gibt die Erzeugungs- oder Importkapazität an, die zur Gewährleistung der Systemstabilität erforderlich ist. Der jüngste Übertragungsentwicklungsplan prognostiziert den Spitzenbedarf bis 2032 mit Werten zwischen 1.453 MW und 1.597 MW, je nach Szenario. Neben dem Spitzenbedarf ist auch der jährliche Gesamtverbrauch seit 2014 um 22% gestiegen und erreichte 2024 6,6 TWh.

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Stromerzeugungskapazitäten

Kosovos Erzeugungskapazität von 1.243 MW reicht nicht aus, um den Spitzenbedarf zu decken, weshalb das Land auf Importe angewiesen ist. Darüber hinaus reichte die jährliche Stromerzeugung des Landes in den letzten Jahren regelmäßig nicht aus, um den Gesamtbedarf zu decken. Dies zeigt sich in der Differenz zwischen 6,1 TWh Erzeugung und 6,6 TWh Verbrauch im Jahr 2024. Da die Nachfrage weiter steigt, wird sich diese Differenz voraussichtlich weiter vergrößern.

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Auswirkungen der Versorgungslücke

Diese strukturelle Lücke zwischen Nachfrage und inländischer Versorgung hat mehrere wichtige Konsequenzen. Erstens ist die Deckung von Spitzenlastzeiten durch Importe in der Regel teurer als die Nutzung inländischer Erzeugungskapazitäten. Mit steigendem Anteil der Importe an der Versorgung erhöhen sich die Gesamtbeschaffungskosten, was zu einem Preisdruck auf die Strompreise für Endverbraucher, einschließlich regulierter Tarife, führen wird.

Zweitens sind in Zeiten besonders hoher Nachfrage oft zusätzliche Maßnahmen erforderlich, um die Netzstabilität aufrechtzuerhalten. So trugen beispielsweise im Dez-25 und Jan-26 eine erhöhte, strombasierte Heiznachfrage sowie eine größere Zahl an Verbrauchern – bedingt durch die saisonale Rückkehr der Diaspora – zu Spitzenbelastungen im Stromnetz bei. Als Reaktion darauf wurden alle verfügbaren Kraftwerke mit voller Kapazität betrieben, einschließlich der Anlagen, die normalerweise als Reserve gehalten werden. Durch ungeplante Ausfälle verringerte sich die verfügbare Erzeugungskapazität jedoch bald darauf wieder. Um das Ungleichgewicht zu bewältigen, ergriff der Übertragungsnetzbetreiber KOSTT Maßnahmen, die in der Regel in Verbundnetzen für Notfälle vorgesehen sind. Dazu gehörte die Entnahme von Strom aus benachbarten Systemen, was ein Risiko für die regionale Netzstabilität darstellt und daher im Rahmen des Anschlussabkommens zwischen Kosovo und dem Ver-band Europäischer Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E sanktioniert wird. Schließlich mussten zu bestimmten Zeiten geplante Verbrauchsreduzierungen durchgeführt werden, um die Gesamtnachfrage an das verfügbare Angebot anzupassen, sodass einige Verbraucher vorübergehend ohne Strom blieben.

Maßnahmen, um die Versorgungslücke zu schließen

Um die wachsende Lücke in der Stromversorgung zu schließen, können sowohl Maßnahmen auf der Nachfrage- als auch auf der Angebotsseite ergriffen werden. Auf der Nachfrageseite sind Energieeffizienzverbesserungen sowohl im privaten als auch im industriellen Energieverbrauch entscheidend, um unnötig hohen Verbrauch zu reduzieren. Darüber hinaus spielt die Verringerung von Netzverlusten eine wichtige Rolle bei der Senkung des Gesamtbedarfs und trägt so zur Entlastung des Energiesystems bei. Auf der Angebotsseite ist der Ausbau der Erzeugungskapazitäten unerlässlich. Kosovo ist nach wie vor stark von Braunkohle abhängig, die 2024 90% der Erzeugung und 76% der Betriebskapazität ausmachte. Aufgrund ihres Alters arbeiten die Kraftwerke Kosovo A und Kosovo B unterhalb ihrer installierten Kapazität. Zwar sind Sanierungsmaßnahmen im Gange, doch diese allein werden den steigenden Bedarf nicht decken können. Angesichts der Auswirkungen der Braunkohle auf Umwelt, Gesundheit und Klima sollte bei künftigen Kapazitätserweiterungen der Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien liegen.

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Geplante Ausweitung erneuerbarer Stromerzeugung

In diesem Zusammenhang ist die Ausweitung der derzeit geringen Erzeugungskapazität aus erneuerbaren Quellen von entscheidender Bedeutung für die Stärkung der langfristigen Versorgungssicherheit. Kosovo hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt und strebt bis 2031 eine erneuerbare Erzeugungskapazität von 1.600 MW sowie einen Anteil von mindestens 35% an der gesamten Stromerzeugung aus nachhaltigen Quellen an. Geplante Maßnahmen umfassen öffentliche Investitionen, etwa ein 100-MW-Projekt im Solarbereich, sowie politische Instrumente zur Förderung privater Investitionen, darunter Ausschreibungen für Solar- und Windkapazitäten.

Ausblick

Ohne entschlossene Maßnahmen dürfte sich die strukturelle Lücke zwischen Stromangebot und -nachfrage in Kosovo und die damit verbundene Importabhängigkeit weiter vergrößern. Die Schwierigkeit des Echtzeit-Systemausgleichs birgt Risiken für die Versorgungssicherheit sowie für die Einhaltung des ENTSO-E-Anschlussabkommens. Um diese Herausforderung zu bewältigen, sind gleichzeitig Fortschritte bei der Effizienz auf der Nachfrageseite und beim Ausbau der erneuerbaren Energieerzeugung auf der Angebotsseite erforderlich. Wichtige Schritte werden bereits unternommen, insbesondere durch Investitionen in die Energieeffizienz von Gebäuden, unterstützt durch den Kosovo Energy Efficiency Fund. Der Ausbau der erneuerbaren Energien – sowohl bei öffentlichen Projekten als auch bei wettbewerblichen Solar- und Windauktionen – verlief jedoch langsamer als geplant, sodass die Erreichung der Ausbauziele innerhalb der nächsten fünf Jahre unsicher ist. Eine klare strategische Ausrichtung, glaubwürdige Umsetzungspfade und verlässliche politische Rahmenbedingungen werden daher entscheidend sein, um Kosovos langfristige Energiesicherheit zu stärken.

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Quellen
  • KOSTT (2022). Transmission Development Plan 2022-2032. https://www.ero-ks.org/zrre/sites/default/files/Lajmet/njoftimet/221118_KOSTT_Transmission Development Plan 2023-2032_ver.0.1.pdf
  • Energy Regulatory Office (ERO) (2024). Annual Report 2024. https://www.ero-ks.org/zrre/en/publikimet/raportet-vjetore