Russlands Bedeutung bei den Energieimporten bleibt hoch
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat Russland erheblich an Bedeutung als Energielieferant für Georgien gewonnen. Russische Lieferungen machten 2024 mit 665 Mio. USD rund 39% der Öl- und Gasimporte aus, verglichen mit 18% im Jahr 2021. Bei Erdölprodukten führte der Preisvorteil von Urals-Öl zu einer Verschiebung der Importe hin zu Russland. Mittlerweile nimmt diese Preisdifferenz ab. In 6M2025 lag der Anteil Russlands bisher etwas höher als 2024, aber mit rückläufigem Trend. Der Anteil europäischer Länder liegt wieder über dem Niveau von 2021. Aserbaidschan bleibt der Hauptlieferant von Erdgas, aber auch hier hat der Anteil Russlands stark zugenommen, vor allem während der Heizperiode. Höhere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien und Maßnahmen zur Energieeffizienz könnten die Importabhängigkeit mindern.
Energieimporte aus Russland seit 2021 stark gestiegen
Ölprodukte und Erdgas decken über drei Viertel des gesamten Energieverbrauchs Georgiens, während die inländische Produktion vernachlässigbar ist. Das Land ist daher in hohem Maße von Energieimporten abhängig. Gleichzeitig ist der Energiebedarf in den letzten zehn Jahren um über ein Drittel gestiegen, was auf das Wirtschaftswachstum und den steigenden Lebensstandard zurückzuführen ist. Die Kombination aus Importabhängigkeit und steigendem Energiebedarf macht Veränderungen in der Lieferantenstruktur für die georgische Wirtschaft besonders relevant.
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Seit Beginn des Krieges in der Ukraine hat Russlands Rolle bei den Energieimporten Georgiens deutlich zugenommen. 2024 waren die Importe von Ölprodukten und Erdgas aus Russland mit 665 Mio. USD fast fünfmal so hoch wie 2021 (135 Mio. USD). Zwar ist dieser Anstieg zu einem gewissen Grad mit dem weltweiten Preisanstieg und einem gestiegenen Energiebedarf zu erklären. Von größerer Bedeutung ist jedoch, dass sich der Anteil Russlands als Lieferant mehr als verdoppelt hat (39% gegenüber 18%). Dieser rasante Anstieg verdeutlicht, wie stark sich die Importstruktur im Energiesektor innerhalb weniger Jahre verändert hat.
Ölprodukte: große Verschiebung der Importstruktur
Der Krieg in der Ukraine hat sich sowohl auf die Preise als auch auf die Anteile der einzelnen Länder an den Importen von Erdölprodukten ausgewirkt.
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Zwar stiegen die Ölpreise infolge des Krieges weltweit, aber der Preisabschlag für russisches Urals-Öl vergrößerte sich im Vergleich zu anderen Sorten deutlich, sodass höhere Importe aus Russland andere (teurere) Lieferanten ersetzten. 2021 waren die Importe gut diversifiziert, wobei Russland wertmäßig etwa 16% ausmachte. Dieser Anteil stieg nach Kriegsbeginn stark an und erreichte 2022/2023 in einigen Monaten fast 70%. Er blieb jedoch auch dann hoch, als sich die Preise zwischen den Ölsorten wieder annäherten und lag 2024 bei rund 40%. In 6M2025 war der Anteil mit 47% wieder etwas größer, was allerdings vor allem auf höhere Importe zum Jahresbeginn zurückzuführen war, die danach gefallen sind.
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In diesem Zusammenhang ist auch die Entwicklung bei anderen Lieferanten interessant: Ein Vergleich im Zeitverlauf zeigt, dass russische Ölprodukte vor allem jene aus Aserbaidschan und Turkmenistan ersetzt haben. Die Anteile Rumäniens (20%) und Bulgariens (14%), die nach Kriegsbeginn zunächst zurückgegangen waren, lagen in 6M2025 dagegen wieder leicht über denen von 2021.
Erdgas: Importe aus Russland vor allem im Winter
Während Ölprodukte recht flexibel auf den Weltmärkten beschafft werden können, ist Erdgas von einer festen Infrastruktur abhängig. Das Gasifizierungsprogramm der Regierung hat in den letzten Jahren zu einer stetigen Zunahme der Bedeutung von Erdgas in der Energiebilanz geführt, da andere Energiequellen, insbesondere Brennholz, in ländlichen Gebieten ersetzt wurden.
Die Erdgasimporte folgen einem klaren saisonalen Muster. Im Sommer sind sie gering, da Georgien seinen Strombedarf durch Wasserkraftwerke decken (und sogar übertreffen) kann und die Erzeugung durch Wärmekraftwerke daher gering ist. Während der Heizperiode (Oktober bis März) steigen die Importe, da Erdgas sowohl zum Heizen als auch zum teilweisen Ausgleich der Lücke in der Stromerzeugung verwendet wird. Dabei gleicht eine verstärkte Nutzung von Wärmekraftwerken die geringere Stromerzeugung aus Wasserkraft aus.
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Seit 2007 ist Aserbaidschan der Hauptlieferant, der Rest wird aus Russland importiert. Das saisonale Muster zeigt sich auch in der Importstruktur: Im Sommer stammt das Erdgas fast ausschließlich aus Aserbaidschan, während es im Winter durch Importe aus Russland ergänzt wird.
Die Bedeutung Russlands hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. So erhöhte sich der Anteil zwischen 2021 und 2024 stetig von 21% auf 36%. Durch die Saisonalität ist der Anstieg während der Heizperiode noch ausgeprägter: Im Winter 2021/22 machten russische Importe 16% aus, verglichen mit 46% im Winter 2024/25.
Nach Aussagen der Regierung ist die Zunahme der Gas-importe aus Russland vor allem auf technische Grenzen bei der South Caucasus Pipeline (SCP) zurückzuführen, die den Transport größerer Mengen aserbaidschanischen Gases derzeit erschweren.
Ausblick
Mit 519 Mio. USD bei Ölprodukten und 146 Mio. USD bei Erdgas lagen die Energieimporte aus Russland 2024 deutlich über dem Vorkriegsniveau.
Bei den Ölprodukten ist der Anstieg in erster Linie eine Reaktion auf die relative Preisentwicklung. Mittlerweile ist die Preisdifferenz nicht mehr so ausgeprägt wie 2022/23. Die Entwicklung im bisherigen Jahr ist daher gemischt: zwar war der Anteil Russlands insgesamt noch höher als im Vorjahr, allerdings war dieser im Jahresverlauf rückläufig (Aug-25: 26%). Erwähnenswert ist, dass europäische Lieferanten nun wieder ihren früheren Anteil erreichen. Georgien scheint weiter in der Lage zu sein, seine Bezugsquellen bei Bedarf zu diversifizieren und so strategische Risiken zu begrenzen.
Bei Erdgas bleibt Aserbaidschan im Rahmen eines langfristigen Vertrags Hauptlieferant, was die Veränderung der Versorgungsstrategie nach den Unterbrechungen Mitte der 2000er Jahre widerspiegelt. Bemerkenswert ist daher der deutliche Anstieg der Importe aus Russland – eine Entwicklung, die auch vor dem Hintergrund von Russlands verstärkter Suche nach alternativen Absatzmärkten seit 2022 zu sehen ist. Neben den technischen Aspekten weisen die Behörden darauf hin, dass das Auslaufen von Teilen des Vertrags mit Aserbaidschan in den kommenden Jahren Aufmerksamkeit erfordern wird. Ein neuer Vertrag wurde noch nicht öffentlich bestätigt. Das Fehlen von inländischen Gasspeichern birgt weiterhin gewisse Versorgungsrisiken.
Das hohe Wirtschaftswachstum legt nahe, dass der Energiebedarf weiterhin zunehmen wird. Maßnahmen zur Reduzierung der Importabhängigkeit würden die Widerstandsfähigkeit daher stärken. Die Pläne zur Ausweitung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sind insofern ein vielversprechender Schritt, da sie den Bedarf an thermischer Energie verringern könnten. Weitere Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz würden diese Bemühungen ergänzen.
Die Entwicklung der Exporte nach Russland seit dem Ukraine-Krieg wird in Newsletter Nr. 59 untersucht.