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Carolin Busch

Moderate Wirtschaftsaussichten mit Abwärtsrisiken

Nach einem deutlichen Rückgang des BIP im Jahr 2022 hat die moldauische Wirtschaft weiterhin zu kämpfen. In der ersten Jahreshälfte 2023 sank das BIP um 2,3% gegenüber dem Vorjahr; der private Konsum bleibt schwach und ist einer der Haupttreiber für diesen Abschwung. Andererseits geht die Inflation weiterhin stetig zurück und dürfte zum Jahresende auf 5,5% sinken. Somit werden für den Rest des Jahres positive Impulse für den Konsum erwartet.

  • Moldau
NL 79 | September - Oktober 2023
Makroökonomische Analysen und Prognosen

Zusammen mit den guten Aussichten für die Landwirtschaft fällt die Gesamtschätzung für das Jahr mit einer erwarteten BIP-Wachstumsrate von 2% moderat aus. Bei den öffentlichen Finanzen ist ein Anstieg des Haushaltsdefizits auf 6% des BIP geplant. Ob dieses Defizit realisiert wird, hängt auch davon ab, inwieweit die Regierung in der Lage sein wird, ihre Umsetzungskapazitäten, insbesondere bei den öffentlichen Investitionen, zu verbessern.

Moderate Aussichten für die Wirtschaft

Nach einem erheblichen wirtschaftlichen Rückgang von 5,9% des BIP im Jahr 2022 ging das moldauische BIP in der ersten Hälfte des Jahres 2023 um weitere 2,3% gegenüber dem Vorjahr zurück.

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Die Hauptursache für diesen wirtschaftlichen Rückgang war der schwache private Konsum. Die Nettoexporte leisteten einen positiven Beitrag zum BIP, da die Importe real stärker zurückgingen als die Exporte. Außerdem haben die Investitionen begonnen, sich etwas zu erholen und trugen positiv zum BIP-Wachstum bei.

Die sektorale Dynamik zeigte in 6M2023 weiterhin ein gemischtes Bild mit negativen Entwicklungen in den meisten Sektoren. Sowohl das verarbeitende Gewerbe als auch das Baugewerbe verzeichneten gegenüber dem ersten Halbjahr 2022 einen Rückgang um 11,8% bzw. 15,3%, was die Auswirkungen der verhaltenen Investitionstätigkeit im vergangenen Jahr widerspiegelt. In ähnlicher Weise ging der Einzelhandel um 7,4% zurück, was mit dem schwachen privaten Konsum zusammenhängt. Andererseits wuchs der Agrarsektor um 6,2% gegenüber dem Vorjahr, was auf günstigere Wetterbedingungen zurückzuführen ist.

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Die Aussichten für 2023 sind insgesamt moderat positiv und der IWF prognostiziert eine BIP-Wachstumsrate von 2%. Hauptgründe dafür sind die positiveren Aussichten für den Agrarsektor und die Erwartung einer Erholung von Konsum und Investitionen.

Inflation im Abwärtstrend

Mäßig positive Impulse werden von der rückläufigen Inflation erwartet. Nach einem Rekordanstieg der Inflationsrate auf über 30% im Jahr 2022 ist diese seit November 2022 rückläufig. Ende August 2023 lag die Inflation bei 9,7%. Die Nationalbank der Republik Moldau (NBM) geht davon aus, dass sich dieser Abwärtstrend fortsetzen wird, und prognostiziert eine Inflationsrate von 5,5% zum Jahresende und damit eine Annäherung an ihre Inflationsziel von 5%.

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Es wird erwartet, dass dieser Rückgang der Inflation zu einer positiveren Dynamik des privaten Konsums beitragen wird. Darüber hinaus hat die NBM als Reaktion auf die sinkende Inflation ihre Geldpolitik gelockert. Der Leitzins beträgt jetzt 6% p.a., nachdem er zwischen August und November 2022 einen Rekordwert von 21,5% p.a. erreicht hatte. Sobald sich diese Lockerung in den Zinssätze der Banken widerspiegelt, sind positive Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit zu erwarten.

Außenhandel 2023 deutlich schwächer

Nach einem sehr starken Anstieg sowohl der Exporte als auch der Importe im Jahr 2022 hat sich der Außenhandel in der ersten Hälfte des Jahres 2023 deutlich schwächer entwickelt.

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Die Exporte sanken im Jahresvergleich um 10,9% in US-Dollar. In physischen Mengen gerechnet sanken die Ausfuhren jedoch nur um 4,3% gegenüber dem Vorjahr. Der Grund für diese Differenz ist eine erhebliche Veränderung der Exportpreise zwischen dem ersten Halbjahr 2022 und dem ersten Halbjahr 2023. Gleichzeitig stiegen die Exporte von Dienstleistungen beträchtlich um 8,9% gegenüber dem Vorjahr, was vor allem auf Tourismus und IT-Dienstleistungen zurückzuführen ist. Der Anstieg der Tourismusdienstleistungen hängt wahrscheinlich mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der in Moldau lebenden Geflüchteten aus der Ukraine zusammen.

Auf der Importseite gab es in US-Dollar einen kleinen Anstieg von 0,5% gegenüber dem Vorjahreszeitraum in der ersten Hälfte des Jahres 2023. In physischen Mengen gingen die Importe jedoch um 3% gegenüber dem Vorjahr zurück. Aufgrund des viel größeren Umfangs der Importe führte diese Dynamik zu einem positiven Beitrag der Nettoexporte zum BIP-Wachstum.

Höheres Haushaltsdefizit geplant

Für das Jahr 2022 hatte die Republik Moldau ein Haushaltsdefizit von 6,2% des BIP geplant. Das tatsächlich realisierte Defizit belief sich jedoch nur auf 3,3% des BIP. Das geringere Defizit war zum Teil auf unerwartet hohe Einnahmen zurückzuführen, vor allem aber auf eine unzureichende Umsetzung der geplanten öffentlichen Ausgaben, die die begrenzten Kapazitäten der moldauischen Verwaltung widerspiegelt – ein seit langem bestehendes Problem der Republik Moldau.

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Für 2023 ist eine Ausweitung des Defizits auf 6,0% des BIP geplant, was auf höhere Ausgaben für Sozialleistungen, insbesondere für Energiesubventionen, zurückzuführen ist. Darüber hinaus hat die Regierung erkannt, wie wichtig es ist, die Kapazitäten im öffentlichen Sektor zu verbessern, wofür zusätzliche Haushaltsmittel vorgesehen sind. Die Finanzierung des Defizits wird wiederum durch ein hohes Maß an internationaler finanzieller Unterstützung für Moldau ermöglicht. Die Staatsverschuldung, vor allem bei internationalen Finanzinstitutionen, dürfte bis 2023 nur geringfügig auf 34,7% ansteigen – ein im internationalen Vergleich immer noch moderates Niveau.

Schlussfolgerungen und Ausblick

Die moldauische Wirtschaft wird weiterhin durch en russischen Krieg gegen die Ukraine beeinträchtigt. Dennoch ist die Inflation rückläufig und die Erwartungen für die diesjährige Ernte sind optimistisch. In der Folge sind die gesamtwirtschaftlichen Aussichten mäßig positiv. Solange der Krieg andauert, bleiben jedoch Abwärtsrisiken bestehen, die eine Prognose der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in der Zukunft erschweren.

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Dieser Newsletter basiert auf unserem 18. Wirtschaftsausblick Moldau