Kosovo: Solides Wachstum, zunehmende Herausforderungen
Kosovos Wirtschaft wuchs im Jahr 2025 um 3,6%, was solide ist, aber eine Verlangsamung gegenüber dem Wachstum von 4,6% im Vorjahr bedeutet. Eine höhere Inflation und ein langsameres Kreditwachstum dämpften den privaten Konsum, während stark gestiegene Warenimporte die Nettoexporte belasteten. Gleichzeitig wirkten starke private Investitionen und ein höherer öffentlicher Konsum wachstumsstabilisierend. Die Inflationsrate lag 2025 im Durchschnitt bei 3,9%, was hauptsächlich auf gestiegene Lebensmittelpreise zurückzuführen war, wobei auch Preissteigerungen für Dienstleistungen und Energie beitrugen. Aufgrund stark gestiegener Warenimporte weitete sich das Leistungsbilanzdefizit im vergangenen Jahr auf 9,2% des BIP aus. Die Ausweitung wurde durch gestiegene Dienstleistungsexporte (v.a. Diaspora-Tourismus) begrenzt. Die Haushaltslage blieb 2025 solide. Das Haushaltsdefizit stieg nur moderat auf 0,7% des BIP an. Der Ausgabendruck nahm jedoch aufgrund höherer permanenter Sozialausgaben zu. Für 2026 wird erwartet, dass sich das Wachstum weiter verlangsamt, auf 3,3%. Durch den Iran-Konflikt und den damit einhergehenden Rohstoffpreisschock werden Inflation und Leistungsbilanzdefizit voraussichtlich weiter steigen.
Wirtschaftswachstum
Das reale BIP-Wachstum Kosovos verlangsamte sich von 4,6% im Jahr 2024 auf 3,6% im Jahr 2025. Hauptgrund für den Rückgang war ein schwächeres Wachstum des privaten Konsums. Eine höhere Inflation und ein geringeres Kreditwachstum schränkten die Kaufkraft der privaten Haushalte ein. Negative Nettoexporte belasteten das Wachstum zudem deutlich. Stark gestiegene Warenimporte verstärkten dabei den dämpfenden Effekt des Außenbeitrags im Vergleich zum Vorjahr. Im Gegenzug entwickelten sich private Investitionen stark und wurden so zu einem wichtigen stabilisierenden Faktor. Durch den expansiveren fiskalpolitischen Kurs der Regierung stützte auch höherer öffentlicher Konsum das Wachstum in der kurzen Frist.
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Für 2026 erwartet der IWF eine weitere Abschwächung des Wachstums auf 3,3%. Der mit dem Iran-Konflikt verbundene Anstieg der globalen Rohstoffpreise dürfte den Inflationsdruck erhöhen und den privaten Konsum dämpfen. Zugleich könnten höhere Importpreise und eine schwächere Nachfrage in der EU die außenwirtschaftliche Position Kosovos weiter verschlechtern.
Inflation
Die Inflation stieg 2025 stetig von 1,5% im Januar auf 5,3% im Dezember. Im Jahresdurchschnitt lag sie bei 3,9% und damit deutlich über dem EZB-Ziel von 2,0%. Haupttreiber waren Lebensmittelpreise. Preissteigerungen für Dienstleistungen und Energie trugen in geringerem Maße ebenfalls bei.
Lebensmittel werden größtenteils importiert und nehmen im Warenkorb ein hohes Gewicht ein, was die relativ niedrigen Haushaltseinkommen widerspiegelt. Infolgedessen reagiert die Inflation besonders empfindlich auf Veränderungen der internationalen Lebensmittelpreise. Im Jahr 2025 wirkten sich höhere internationale Preise für wichtige Lebensmittel wie Milchprodukte und Rindfleisch daher spürbar auf die Inflationsrate aus.
Auch die Dienstleistungspreise stiegen, insbesondere in der Gastronomie. Dies spiegelte zum Teil höhere Lebensmittelkosten wider, wurde jedoch hauptsächlich durch gestiegene Lohnkosten infolge der Erhöhung des Mindestlohns im Oktober 2024 getrieben. Die Energieinflation hing weitgehend mit der Erhöhung der regulierten Stromtarife um 16% im Mai 2025 zusammen, während höhere Brennholzpreise während des ungewöhnlich kalten Winters ebenfalls eine Rolle spielten.
Für 2026 prognostiziert der IWF eine durchschnittliche Inflationsrate von 5,9%. Es wird erwartet, dass sich der Inflationsdruck aufgrund des durch den Krieg im Iran ausgelösten Rohstoffpreisschocks verstärken wird. Die Verbraucherpreise werden direkt durch höhere Kraftstoffkosten für den Individualverkehr und indirekt durch höhere Produktions- und Transportkosten beeinflusst. Letzterer Kanal wird für Kosovo angesichts der hohen Abhängigkeit von Importen besonders relevant sein.
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Leistungsbilanz
Kosovo verzeichnet traditionell ein beträchtliches Leistungsbilanzdefizit, das durch ein großes Handelsdefizit bedingt ist. Im Jahr 2025 stieg das Leistungsbilanzdefizit auf 9,2% des BIP.
Diese Ausweitung wurde durch einen starken Anstieg der Warenimporte verursacht, der zu einem beträchtlichen Handelsdefizit von 50,6% des BIP führte. Die Importe stiegen in den meisten Produktgruppen an, wobei die Einfuhren von Strom, Lebensmitteln und Autos am stärksten zunahmen. Der Anstieg der Lebensmittelimporte, der auf internationale Preissteigerungen zurückzuführen ist, und der Anstieg der Autoimporte, der darauf beruht, dass Verbraucher vorübergehend niedrige Preise für Gebrauchtwagen ausnutzten, sind beides vorübergehende Phänomene. Der starke Anstieg der Stromimporte deutet jedoch auf strukturelle Mängel in der Energieversorgung Kosovos hin und wird wahrscheinlich in den kommenden Jahren zur neuen Norm werden, solange Erzeugungskapazitäten nicht erhöht werden. Im Jahr 2025 waren hohe Stromimporte erforderlich, da das Braunkohlekraftwerk „Kosovo B“ mehrfach abgeschaltet wurde, teils zur Durchführung geplanter Wartungs- und Reparaturarbeiten, teils aufgrund unvorhergesehener Systemausfälle.
Positiv zu vermerken ist, dass sich der Überschuss im Dienstleistungshandel Kosovos weiter ausgeweitet hat, auf 20,3% des BIP. Dies ist die Folge steigender Exporte, basierend auf der starken Entwicklung des Diaspora-Tourismus.
Für 2026 erwarten wir, dass sich das Leistungsbilanzdefizit weiter ausweiten wird, aufgrund gestiegener Importkosten und einer gedämpften Exportnachfrage infolge des Iran-Konfliktes.
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Öffentlicher Haushalt
Zwischen 2022 und 2024 wies Kosovo ein sehr geringes Haushaltsdefizit von durchschnittlich 0,3% des BIP auf. Anstiege der öffentlichen Ausgaben standen im Einklang mit dem Wachstum von Staatseinnahmen, das hauptsächlich auf die Formalisierung wirtschaftlicher Aktivitäten zurückzuführen war. Im Jahr 2025 überstieg die Ausweitung der Ausgaben den Einnahmenanstieg jedoch, sodass sich das Haushaltsdefizit auf 0,7% des BIP ausweitete. Dieser Anstieg ist moderat und liegt innerhalb der Fiskalregel, die das Haushaltsdefizit auf 2% des BIP begrenzt.
Obwohl eine verbesserte Ausführung öffentlicher Investitionen zum Ausgabenwachstum beitrug, resultierte es hauptsächlich aus gestiegenen Sozialausgaben. Die Renten wurden im Okt-24 um 20% und im Nov-25 um weitere 25% erhöht, Kinder- und Mutterschaftsleistungen wurden ausgeweitet, eine neue Kinderbeihilfe eingeführt und zum dritten Mal in Folge eine Zahlung in Höhe von 100 EUR an Kinder und Rentner bereitgestellt.
Der verabschiedete Haushalt für 2026 sieht einen weiteren Anstieg der Ausgaben vor. Dieser spiegelt die volle Wirkung der Ende 2025 eingeführten Sozialmaßnahmen sowie neu angekündigte Maßnahmen, wie beispielsweise die Einführung eines 13ten Monatsgehalts für Beschäftigte im öffentlichen Dienst, wider. Der Haushalt sieht für 2026 ein Defizit von 1,6% des BIP vor, wobei die gewöhnlich schwache Investitionsausführung zu einem geringeren Defizit führen dürfte.
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Ausblick
Der Ausblick für 2026 wird sowohl durch den Iran-Konflikt als auch durch die anhaltende politische Krise in Kosovo beeinträchtigt. Anfang Juni werden voraussichtlich Neuwahlen stattfinden. Vor dem Hintergrund des steigenden Inflationsdrucks infolge des Krieges im Iran ist es wichtig, dass die Behörden die angekündigten, relativ undifferenzierten Sozialausgaben überprüfen, da diese zu einem zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Preise führen könnten.
Dieser Newsletter basiert auf der zehnten Ausgabe unseres „Wirtschaftsausblick Kosovo“.
Quellen
- Internationaler Währungsfonds (2026). Republic of Kosovo: 2026 Article IV Consultation-Press Release; Staff Report; and Statement by the Executive Director for the Republic of Kosovo, IMF Staff Country Reports 2026. Abgerufen am 27. April 2026 von https://www.imf.org/en/publications/cr/issues/2026/04/02/republic-of-kosovo-2026-article-iv-consultation-press-release-staff-report-and-statement-575164
- Kosovarische Statistikbehörde (KAS) (2026a). National Accounts: Quarterly GDP by expenditure approach at current prices, 2010Q1 – 2025Q3. Abgerufen am 23 März 2025 von https://askdata.rks-gov.net/pxweb/en/ASKdata/ASKdata__National%20and%20government%20accounts__National%20accounts__Quarterly%20national%20accounts/BPV05current.px/
- KAS (2026b). National Accounts: Quarterly GDP by expenditure approach with previous year prices, 2011Q1 – 2025Q3. Abgerufen am 23 März 2026 von https://askdata.rks-gov.net/pxweb/en/ASKdata/ASKdata__National%20and%20government%20accounts__National%20accounts__Quarterly%20national%20accounts/BPV06Constant.px/
- KAS (2026c). Price: HICP (2015=100), monthly and annual price changes, 2002M05 – 2025M12. Abgerufen am 16 April 2026 von https://askdata.rks-gov.net/pxweb/en/ASKdata/ASKdata__Prices__Consumer%20Price%20Index__Monthly%20indicators/cpi01.px/
- Ministerium für Finanzen, Arbeit und Transfers der Republik Kosovo (2026). Monthly Fiscal Series. Abgerufen am 24 März 2026 von https://mfpt.rks-gov.net/Thesari/Page/973
- Ministerium für Finanzen, Arbeit und Transfers der Republik Kosovo (2025). Legislation: Draft law of the budget appropriations of the Republic of Kosovo for year 2026. Abgerufen am 24 März 2026 von https://mfpt.rks-gov.net/Buxheti/Page/323
- Zentralbank der Republik Kosovo (2026). External Sector Statistics: BOP current account. Abgerufen am 16. März 2026 von https://bqk-kos.org/statistikat/serite-kohore/?lang=en