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Alina Kunde

Iran-Konflikt trifft Moldau stärker als andere Länder der Region

Moldau ist zwar nicht mehr von russischem Gas abhängig, bleibt jedoch weiterhin Energiepreisschocks ausgesetzt. Als kleine Volkswirtschaft mit hoher Abhängigkeit von Energieimporten ist das Land besonders von Preisschwankungen auf den Öl- und Gasmärkten betroffen. Der Iran-Konflikt stellt daher nach mehreren energiebedingten Schocks der vergangenen Jahre einen weiteren externen Schock dar. Ölprodukte und Erdgas decken rund 67% der Energieversorgung Moldaus und werden vollständig importiert. Steigende Preise erhöhen daher rasch die Importkosten und den Inflationsdruck. Insgesamt dürfte das reale BIP-Wachstum um bis zu 0,8 Pp niedriger ausfallen, während die Inflation auf bis zu 7% zum Vorjahr steigt. Je nach Dauer und Intensität des Konflikts könnten die Auswirkungen noch stärker ausfallen.

  • Moldau
NL 95 | Mai - Juni 2026
Makroökonomische Analysen und Prognosen
Der Iran-Konflikt und seine Folgen für globale Märkte

Nach Angaben des IWF laufen ca. 25–30% des weltweiten Öl- und LNG-Handels über die Straße von Hormus. Die derzeitige Blockade führt zu einem Anstieg der durchschnittlichen Preise für Rohöl, Ölprodukte und Gas. Wie stark die Preise steigen, hängt von der Dauer und Intensität des Konflikts ab. Auch die Preise für Dünger aus Gas sind gestiegen, doch die kurzfristigen Auswirkungen dürften begrenzt sein, da ein Großteil des Bedarfs für die aktuelle Saison bereits gedeckt ist. Bislang sind die Weltmarktpreise für Lebensmittel nur mäßig betroffen, und es gibt keine größeren Engpässe.

Transmissionskanal nach Moldau

Moldau ist vor allem wegen seiner hohen Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten anfällig. Ölprodukte decken rund 40% des Energieverbrauchs, Gas weitere 27%. Beides wird vollständig importiert. Auch Strom wird zum Großteil importiert und kann daher indirekt von höheren Gaspreisen betroffen sein. Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien sinkt diese Abhängigkeit jedoch.

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Im Jahr 2025 beliefen sich die Öl- und Gasimporte auf rund 1,9 Mrd. USD, was 9,2% des BIP entsprach, wobei allein auf Gas ein Anteil von 4,7% des BIP entfiel. Ein illustratives Szenario verdeutlicht das potenzielle Ausmaß. Nach dem Szenario des IWF für einen kurzzeitigen Konflikt, bei dem die Ölpreise um 21% und die Gaspreise um 23% gegenüber dem Vorjahr steigen, würden sich die Energieimportkosten Moldaus um etwa 421 Mio. USD erhöhen, was 2,1% des BIP entspricht. Dabei ist jedoch berücksichtigen, dass die Gasimportpreise im Jahr 2025 relativ hoch waren, was bedeutet, dass die Gesamtauswirkungen möglicherweise geringer ausfallen könnten.

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Düngemittel sind in dieser Schätzung nicht berücksichtigt, da davon ausgegangen wird, dass ein Großteil der Düngemittel für die laufende Saison bereits gekauft wurde. Bleiben die Gaspreise jedoch hoch, könnten steigende Düngemittelkosten bei der Beschaffung im Herbst stärker ins Gewicht fallen. Die Düngemittelimporte beliefen sich 2025 auf rund 0,5% des BIP.

Inflationsdruck durch steigende Energieimportkosten

Die Inflation ist bereits gestiegen und lag im Mai-26 bei 6,8%, gegenüber 5,1% im Feb-26. Der Anstieg war hauptsächlich auf höhere Lebensmittel- und Kraftstoffpreise zurückzuführen. Kraftstoffpreise schlagen sich relativ schnell in der Verbraucherpreisindex-Inflation (VPI) nieder, da der Verkehrssektor rund 11% des Warenkorbs ausmacht. Lebensmittel und Getränke haben mit rund 34% das größte Gewicht im VPI. Zwar sind die weltweiten Lebensmittelpreise bislang nur moderat gestiegen, doch aufgrund des hohen Gewichts im Warenkorb spielen selbst geringfügige Preisanstiege eine Rolle. Strom, Gas und Heizung machen rund 6,5% des Warenkorbs aus. Da die Tarife reguliert und bisher nicht angepasst wurden, dürften sich höhere Preise erst mit Verzögerung auf die VPI-Inflation auswirken. Halten die höheren Importkosten an, könnten spätere Tariferhöhungen den Inflationsdruck weiter erhöhen. Die NBM rechnet für 2026 mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 7% im Vergleich zum Vorjahr und hat dies in ihrer Geldpolitik berücksichtigt, indem sie den Leitzins von 5,0% auf 6,5% angehoben hat.

Auswirkungen auf das BIP-Wachstum

Auf der Nachfrageseite wird erwartet, dass die Auswirkungen auf das BIP-Wachstum hauptsächlich vom privaten Konsum ausgehen. Höhere Kosten für Kraftstoff, Heizung und Strom schmälern die Kaufkraft der Haushalte. Dies ist besonders relevant, da Haushalte rund 42% des Endenergieverbrauchs ausmacht. Ein geringeres reales verfügbares Einkommen wird sich negativ auf den Konsum auswirken. Auf der Angebotsseite werden die Auswirkungen vor allem vom Verkehrssektor ausgehen. Der Verkehrssektor macht rund 30% des Endenergieverbrauchs aus und Moldau verfügt ansonsten nicht über eine große energieintensive Industriebasis. Höhere Kraftstoffpreise erhöhen daher die Logistikkosten. Höhere Gas- und Stromkosten könnten bestimmte Sektoren beeinträchtigen, darunter die Landwirtschaft, die Lebensmittelproduktion, den Bereich der nichtmetallischen Mineralien sowie den IKT-Sektor. Investitionen dürften einen Teil dieser negativen Effekte abfedern.

Trotz der strafferen Geldpolitik dürften öffentliche Investitionen im Rahmen des Wachstumsplans, staatliche Förderprogramme für private Investitionen sowie die Steuerfreiheit für reinvestierte Gewinne von KMUs sowohl öffentliche als auch private Investitionen stützen. Insgesamt liegen die aktuellen Abwärtskorrekturen des BIP-Wachstums zwischen rund 0,2 Pp und 0,8 Pp.

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Regionaler Vergleich

Ein Vergleich zeigt, dass Moldau in zweierlei Hinsicht anfällig ist: Das Land weist einen hohen Anteil von Öl und Gas am Energieverbrauch auf und seine Importkosten sind im Verhältnis zum BIP hoch. Auch Armenien und Georgien haben einen hohen Gasanteil an ihrem Energieverbrauch, doch ihre Importkosten sind aufgrund langfristiger Verträge deutlich niedriger. Die dargestellten Volkswirtschaften des Westbalkans sind im Allgemeinen weniger von Gas abhängig und daher hauptsächlich von den Ölpreisen betroffen. Moldau hingegen ist sowohl Öl- als auch Gaspreissteigerungen ausgesetzt und daher am stärksten betroffen.

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Ausblick

Die Gesamtauswirkungen werden von der Dauer des Konflikts und dem Anhalten der höheren Energiepreise abhängen. Im regionalen Vergleich gehört Moldau aufgrund des hohen Anteils von Gas und Öl am Energieverbrauch und der Abhängigkeit von Importen weiterhin zu den am stärksten betroffenen Volkswirtschaften. Mit Blick auf die Zukunft ist es unerlässlich, dass die Diversifizierung über die Lieferanten hinausgeht. Die Senkung des Energiebedarfs an importiertem Öl und Gas ist wichtig, insbesondere im Verkehrs- und im Haushaltssektor, wo der Verbrauch am höchsten ist.

Gleichzeitig darf der Schock die Strukturreformen im Rahmen des Wachstumsplans und die geplante Reform der Steuergesetzgebung nicht verzögern, die für Investitionen und das mittelfristige Wachstum weiterhin wichtig sind.

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Dieser Newsletter basiert auf dem Policy Briefing „Wirtschaftliche Auswirkungen des Iran-Konflikts auf Moldau“.

 

Quellen