Iran-Konflikt hat geringe Auswirkungen auf Albanien
Der Iran-Konflikt hat die Energiepreise deutlich erhöht und verteuert damit Albaniens Ölimporte um voraussichtlich 151 Mio. USD bzw. 0,5% des BIP. Dennoch prognostiziert der IWF für 2026 ein reales BIP-Wachstum von 3,4%, und damit nur 0,2 Pp. weniger als vor Kriegsausbruch. Die bislang moderate Belastung dürfte vor allem auf den hohen Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix und den starken Tourismussektor zurückzuführen sein. Die Prognose basierte jedoch auf einem kurzlebigen Konflikt. Das jüngste Wiederaufflammen stellt diese Annahme infrage und könnte über höhere Importkosten und Inflation stärkere wirtschaftliche Folgen haben. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von volatilen fossilen Brennstoffen zu verringern.
Iran-Konflikt und Auswirkungen auf die Weltmärkte
Laut IWF laufen 25-30% des weltweiten LNG-Handels durch die Straße von Hormus. Der Iran-Konflikt führte zu einer Verringerung des weltweiten Energieangebots und folglich zu höheren Energiepreisen. Auch die Preise für aus Erdgas hergestellte Düngemittel sind gestiegen; die kurzfristigen Auswirkungen dürften jedoch begrenzt sein, da ein Großteil des Bedarfs für die aktuelle Anbausaison bereits gedeckt ist. Bislang sind die weltweiten Lebensmittelpreise nur geringfügig betroffen und es gibt keine nennenswerten Engpässe.
Der Energieschock für Albanien
Ölprodukte machten 52% des albanischen Primärenergieverbrauchs (TES) im Jahr 2024 aus und stellten damit die zentrale Energiequelle dar. Erdgas spielt kaum eine Rolle im Primärenergieverbrauch. Bemerkenswert ist, dass 37% des TES von erneuerbaren Energien kommen, hauptsächlich Wasserkraft und zunehmend Solarenergie, was das Land in gewissem Maße vor globalen Energiepreisschwankungen schützt.
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Die Importe von Erdölprodukten belaufen sich auf etwa 2,2% des BIP. Nach dem vom IWF entworfenen Szenario eines kurzlebigen Konflikts, bei dem von einem Anstieg der Ölpreise um 21% gegenüber dem Vorjahr ausgegangen wird, würden sich die Kosten für Albaniens Ölimporte um 151 Mio. USD erhöhen, was 0,5% des BIP entspricht und einen moderaten Schock darstellt.
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Auswirkungen auf den internationalen Handel
Einerseits erhöhen die steigenden internationalen Preise für Ölprodukte Albaniens Ölimportkosten und langsameres Wachstum der Handelspartner könnte die Exporte dämpfen. Andererseits könnte das Land auch von steigenden Dienstleistungsexporten profitieren, indem es durch seinen Ruf als erschwingliches Urlaubsziel neue Touristen hinzugewinnt. Letztendlich ist es schwer, die Auswirkung auf das Leistungsbilanzdefizit vorherzusagen. Im Vergleich zur Dezemberprognose erwartet der IWF keine wesentlichen Veränderungen.
Auswirkungen auf die Inflation
Der IWF prognostiziert eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,4% in Albanien, was einer Aufwärtskorrektur von 0.6 Pp. durch den Iran-Konflikt entspricht und das Zentralbankziel von 3% überschreitet. Steigende Kraftstoffpreise schlagen sich schnell in höherer Verbraucherpreisinflation nieder, da Transportausgaben ungefähr 6% des Warenkorbs ausmachen. Lebensmittel und Getränke machen 34% des Warenkorbs aus. Zwar sind die weltweiten Lebensmittelpreise bislang nur moderat gestiegen, doch angesichts des Gewichts im Warenkorb spielen selbst geringfügige Preisanstiege eine Rolle für die Verbraucherpreise.
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Auswirkungen auf das Wachstum
Trotz des Ölpreisschocks hat der IWF seine Wachstumsprognose für Albanien nur geringfügig von 3,6% auf 3,4% nach unten korrigiert. Höhere Kraftstoff- und Lebensmittelpreise treiben die Inflation in die Höhe, was wiederum das reale verfügbare Einkommen der privaten Haushalte und den Konsum von nicht lebensnotwendigen Gütern schmälert. Jüngste Lohnerhöhungen könnten den Kaufkraftverlust jedoch teilweise ausgleichen. Die Auswirkungen werden zudem durch die geringe Größe der energieintensiven Industrie Albaniens abgemildert, wodurch die inländische Produktion nur in begrenztem Umfang von den höheren Kosten von Ölprodukten betroffen ist. Darüber hinaus könnten Albaniens Tourismusexporte aufgrund einer Umleitung der Touristenströme schneller als erwartet wachsen und so dazu beitragen, den Schock abzufedern.
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Regionaler Vergleich der Wachstumseffekte
Im Vergleich zu anderen Ländern der Region ist Albanien nur mäßig von dem Konflikt betroffen. Für die meisten anderen Länder des Westbalkans rechnet der IWF mit stärkeren Auswirkungen auf das reale BIP-Wachstum. Wie bereits dargelegt, ist dies vor allem auf den im Vergleich zu anderen Ländern der Region hohen Anteil erneuerbarer Energien am albanischen Strommix sowie auf die bedeutende Rolle des Tourismussektors in der Wirtschaft zurückzuführen, die gemeinsam dazu beitragen, die Auswirkungen des Konflikts in Grenzen zu halten.
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Ausblick
Die Aussetzung des Rahmenabkommens zwischen den USA und dem Iran zeigt die dem Konflikt zugrunde liegende Instabilität, der weiterhin für Schwankungen auf den globalen Energiemärkten sorgt. Bislang war Albanien von den Folgen des Krieges nur in begrenztem Maße betroffen. Ein Wiederaufflammen des Konflikts könnte jedoch die wirtschaftlichen Aussichten Albaniens durch anhaltend höhere Importkosten und Inflation gefährden, was die Notwendigkeit unterstreicht, die Abhängigkeit von Erdölprodukten weiter zu verringern, beispielsweise durch den verstärkten Einsatz von Elektrofahrzeugen.
Dieser Newsletter basiert auf dem Policy Briefing “Economic implications of the Iran conflict for Albania”.
Quellen
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