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Sebastian Staske

Iran-Konflikt: Auswirkungen auf Nordmazedonien eher moderat

Nordmazedoniens Wirtschaft ist mit solider Dynamik ins Jahr 2026 gestartet. Der Iran-Konflikt verschlechtert jedoch das makroökonomische Umfeld. Steigende Energiepreise erhöhen vor allem die Kosten für Ölimporte. Insgesamt stellt der Konflikt vor allem ein Risiko für die Leistungsbilanz und die Inflation dar, während die Auswirkungen auf das Wachstum vergleichsweise begrenzt bleiben. Der IWF erwartet für 2026 ein Wachstum von 3,1%, die Nationalbank schätzt 3,5%. Diese Schätzungen basieren auf der Annahme eines kurzlebigen Konflikts, was angesichts des jüngsten Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran plausibel erscheint. Obwohl die fiskalischen Auswirkungen bislang begrenzt waren, unterstreicht der Konflikt die Notwendigkeit einer Haushaltskonsolidierung.

  • Nordmazedonien
NL 04 | April - Juni 2026
Makroökonomische Analysen und Prognosen
Ausgangslage: globaler Preisanstieg bei Energie

Laut IWF werden 25 bis 30% des weltweiten Öls und 20% des Flüssigerdgases (LNG) durch die Straße von Hormus transportiert. Der Iran-Konflikt bewirkt ein geringeres globales Energieangebot und damit höhere Energiepreise. Daher nimmt der IWF in seinem Referenzszenario an, dass der Preis für Brent 2026 auf durchschnittlich 82 USD/Barrel steigt, nachdem er 2025 noch bei 68 USD/Barrel lag. Dabei wird von einer kurzen Dauer des Konflikts ausgegangen. Global führt dieser Anstieg zu höherer Inflation und niedrigerem Wachstum: Die Inflationsprognose wurde um 0,5 Pp angehoben und die Wachstumsprognose um 0,3 Pp gesenkt.

Energiestruktur: hoher Anteil von Erdölprodukten

Da der Energieschock somit der Hauptwirkungskanal ist, sollte zunächst der Energiemix betrachtet werden, um die wirtschaftlichen Auswirkungen zu analysieren.

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Erdölprodukte machen 45% der gesamten Energieversorgung aus und werden vor allem im Transportsektor genutzt. Erdgas hat mit 12% einen kleineren Anteil, ist aber für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen relevant. Beide Energieträger werden vollständig importiert. Ein hoher Anteil von Kohle, die rund 25% ausmacht und überwiegend im Inland produziert wird, sowie erneuerbare Energien mit einem Anteil von rund 19% dämpfen die Auswirkungen.

Leistungsbilanz: Importe steigen, Exportdynamik sinkt

Der Iran-Konflikt trifft Nordmazedonien daher zuerst über höhere Importkosten. Importe von Ölprodukten und Erdgas entsprachen 2025 zusammen rund 5,1% des BIP. Unter der Annahme, dass Ölprodukte dem Anstieg des Brent-Preises folgen, während Gaspreise kurzfristig durch Verträge stabil bleiben, ergeben sich zusätzliche Importkosten von 161 Mio. USD bzw. 0,8% des BIP.

Der zweite Wirkungskanal ist der indirekte Effekt über die Exportnachfrage. Die Industrie macht rund 20% des BIP aus und ist eng in europäische Wertschöpfungsketten, insbesondere im Automobilsektor, eingebunden. Die EU ist der zentrale Absatzmarkt: 2025 gingen 76% der Warenexporte in die EU, davon 36% nach Deutschland. Wenn die Nachfrage aus der EU sinkt, wird somit weniger produziert. Die dortigen Wachstumsprognosen wurden kürzlich nach unten revidiert: Für die EU wird 2026 nur ein Wachstum von 1,1% erwartet (-0,3 Pp zur vorherigen Prognose), für Deutschland 0,6% (-0,7 Pp).

Somit verschlechtert sich der Warenhandel sowohl auf der Import- als auch der Exportseite. Entsprechend wurde die Prognose für das Leistungsbilanzdefizit deutlich nach unten korrigiert. 2025 lag es bei -4,4% des BIP. Für 2026 erwartet der IWF in seiner aktuellen Prognose vom April 2026 ein Defizit von -5,0% des BIP, 1,9 Pp mehr als bei der vorherigen Prognose vom Oktober 2025. Die Nationalbank (NBRNM) rechnet in ihrer Mai-Prognose mit einem Defizit von 5,7% des BIP, nach 4,1% in ihrer vorherigen Prognose vom Februar. Wie der IWF geht auch die NBRNM von einer kurzen Dauer des Konflikts aus. Der Dienstleistungsüberschuss von rund 6% des BIP und Rücküberweisungen von rund 12% des BIP bleiben wichtige Gegengewichte.

Inflation: sichtbarster Effekt des Konflikts

Der stärkste unmittelbare Effekt des Konflikts zeigt sich bei der Inflation. Im Mai 2026 lag sie bei 4,8% gegenüber dem Vorjahr. Besonders auffällig war der Preisanstieg im Verkehrsbereich mit 11,0%. Lebensmittel stiegen um 4,7%. Ein Blick auf die Struktur des Warenkorbs zeigt die Bedeutung: Lebensmittel und Getränke machen rund 40% aus, Energie rund 10% und Verkehr 8%.

Entsprechend wurden die Inflationsprognosen deutlich nach oben revidiert. Der IWF erwartet für 2026 nun 4,5%, 1,5 Pp mehr als vorher. Die Nationalbank erhöhte ihre Prognose ebenfalls um 1,5 Pp auf 4,0%. Für die Wirtschaftspolitik ist dies besonders relevant, weil der Denar de facto an den Euro gekoppelt ist. Das Wechselkursregime hat sich als Stabilitätsanker bewährt, setzt aber voraus, dass die Inflation nicht dauerhaft deutlich über derjenigen im Euroraum liegt. Die Währungsreserven von 5,2 Mrd. EUR bzw. rund fünf Monaten Importdeckung bieten dabei einen wichtigen Puffer.

BIP: bis zu 0,5 Pp geringeres Wachstum möglich

Der Iran-Konflikt wirkt somit vor allem über zwei Kanäle auf das Wachstum: höhere Preise und schwächere Auslandsnachfrage. Höhere Energie- und Transportkosten verteuern nicht nur die Importe, sie dämpfen auch die Kaufkraft der Haushalte. Außerdem können sie Investitionsentscheidungen belasten. Das reale Wachstum bleibt bisher trotz des schwierigen Umfelds robust, verliert aber an Dynamik. Nach 3,5% im Jahr 2025 lag das Wachstum im ersten Quartal 2026 bei 3,1%. Die IWF-Prognose für das Gesamtjahr 2026 beträgt ebenfalls 3,1% und wurde gegenüber der Prognose vor dem Konflikt nur um 0,1 Pp gesenkt. Die Nationalbank erwartet mit 3,5% zwar eine höhere Dynamik, revidierte ihre Prognose aber deutlicher um 0,5 Pp nach unten.

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Fiskalpolitik: Konsolidierung bleibt notwendig

Wie schon während der Energiekrise 2022 senkte die Regierung zeitweilig die Mehrwertsteuer und Ver-brauchsteuern auf Benzin und Diesel. Da diese Maß-nahmen inzwischen ausgelaufen sind, bleibt der unmittelbare fiskalische Effekt begrenzt. Gleichwohl verdeutlicht der Konflikt die begrenzten fiskalischen Puffer: Seit der Corona-Pandemie lag das Haushaltsdefizit durchgängig über der Fiskalregel von 3% des BIP. Gleichzeitig liegt die öffentliche Schuldenquote über der Fiskalregel von 60% des BIP. 2025 betrug das Defizit 4,0%. Für 2026 plant die Regierung 3,5%. Der IWF unterstützt dieses Ziel, betont aber die Notwendigkeit weiterer Reformen zur Defizitsenkung. In seiner Schätzung rechnet er daher mit 4,2%. Die fiskalischen Herausforderungen bestehen zwar unabhängig vom Iran-Konflikt. Dieser unterstreicht jedoch die Notwendigkeit weiterer Konsolidierung, um die Schuldentragfähigkeit zu stärken und fiskalische Puffer für Schocks aufzubauen. Dies wäre auch relevant, falls der Iran-Konflikt länger andauern sollte.

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Bereits im Januar, kurz vor Ausbruch des Iran-Konflikts, wurden zwei Eurobond-Emissionen im Gesamtvolumen von 1,0 Mrd. EUR durchgeführt. Damit hat Nordmazedonien vermieden, sich in einem Umfeld steigender Zinsen refinanzieren zu müssen.

Ausblick

Das kürzlich zwischen den USA und dem Iran vereinbarte Rahmenabkommen lässt ein zeitnahes Ende des Konflikts möglich erscheinen. In diesem Fall würde er nur etwas länger andauern als ursprünglich erwartet. Der Iran-Konflikt hätte dann nur begrenzte wirtschaftliche Auswirkungen auf Nordmazedonien. Die Regierung ist der Ansicht, dass das Land besser aufgestellt ist als während der Energiekrise 2022. Ein länger anhaltender Konflikt würde jedoch die Risiken für Importkosten, Inflation und die Exportnachfrage aus der EU erhöhen. Auch größere fiskalische Effekte wären dann möglich. Aus wirtschaftspolitischer Sicht ist es daher entscheidend, die Preisentwicklung genau zu beobachten und an der notwendigen Haushaltskonsolidierung festzuhalten.

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Dieser Newsletter basiert auf dem Policy Briefing „Economic implications of the Iran conflict for North Macedonia“ sowie der 4. Ausgabe unseres Wirtschaftsausblicks Nordmazedonien.

 

Quellen