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Veronika Movchan, Woldemar Walter

Exportpotenzial der usbekischen Textilindustrie

Die usbekischen Textilexporte sind von 1,3 Mrd. USD im Jahr 2018 auf 3,3 Mrd. USD im Jahr 2022 stark gewachsen und entsprachen damit 22% der Gesamtwarenexporte. Dieses Wachstum ging mit einer kontinuierlichen Verlagerung der Exportstruktur hin zu Konsumgütern einher, die auf 34% anstiegen. Die usbekischen Textilausfuhren werden jedoch weiterhin von Zwischenprodukten, vor allem Baumwollgarnen und ‑stoffen, dominiert. Die Eurasische Wirtschaftsunion (EAWU), vor allem Russland, ist dabei der wichtigste Markt.

  • Usbekistan
NL 29 | März-April
Außenhandel und regionale Integration

Die Analyse des Exportpotenzials des usbekischen Textilsektors zeigt, dass das größte Potenzial bei gestrickter und gehäkelter Bekleidung und Stoffen liegt. Derzeit sind die EAWU und die EU die Märkte mit dem höchsten Potenzial. Der Nahe Osten und die südasiatischen Märkte bieten ebenfalls ein erhebliches Potenzial, wenn die Zollschranken abgebaut werden.

Usbekistan sollte den Abschluss von Freihandelsabkommen mit diesen Ländern anstreben, um das Potenzial auszuschöpfen. Auf Unternehmensseite sollte die Effizienz gesteigert werden, um die Kosten zu senken. Wahrscheinlich noch wichtiger wäre die Entwicklung eigener Modemarken und die Sicherstellung einer ethischen und ökologisch nachhaltigen Produktion, weil dadurch höhere Preise erzielt werden könnten.

Usbekistans Exporte von Textilien

Im Jahr 2022 beliefen sich die usbekischen Textilexporte auf 3,3 Mrd. USD, was einem Anstieg von 148% gegenüber 2018 entspricht. Die Textilexporte wuchsen damit deutlich schneller als die Warenexporte insgesamt. Der Anteil der Textilexporte an den gesamten Warenexporten erreichte 22% und stieg in den letzten fünf Jahren um 10 Prozentpunkte.

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Die Struktur der usbekischen Textilexporte hat sich allmählich verändert. Zwischen 2018 und 2022 sank der Anteil der Zwischenprodukte um 7 Prozentpunkte auf 66% der Textilexporte, während der Anteil der Konsumgüter um 7 Prozentpunkte auf 34% anstieg. Die Struktur der usbekischen Textilexporte unterscheidet sich dennoch weiterhin von der Struktur des globalen Handels mit Textilien, die von Konsumgütern dominiert wird (68% der weltweiten Exporte im Jahr 2022).

Die EAWU, vor allem Russland, ist nach wie vor Usbekistans wichtigster Exportmarkt für Textilien, auf den 59% der Gesamtexporte entfallen. Weitere wichtige Exportziele sind die Türkei (16%), China (8%) und die EU (5%).

Handelsregime

Usbekistan hat begünstigten Zugang zu den zu den Märkten der wichtigsten Partner. Zu diesen Präferenzregelungen gehören Freihandelszonen (engl. FTA), die z.B. mit den GUS-Ländern, Georgien und der Ukraine gelten, einseitig gewährte Präferenzen, darunter das von der EU gewährte Allgemeine Präferenzsystem Plus (APS+) (engl. GSP+), APS anderer Länder und bilaterale Meistbegünstigungsabkommen (engl. MFN), die z. B. mit China, Iran und Bangladesch geschlossen wurden.

Übersicht der usbekischen Handelsbegünstigungen

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Quellen: WITS, WTO

Im Jahr 2022 gingen etwa zwei Drittel der usbekischen Exporte in Länder mit Freihandelsabkommen, 22% in Partnerländer mit einseitigen Präferenzen und 11% in Länder mit Meistbegünstigungsabkommen. Nur 3% der Exporte wurden an Partner ohne Präferenzregelungen geliefert.

Bewertung des Exportpotenzials: Methodologie

Um die vielversprechendsten Exportprodukte und die entsprechenden Zielländer zu ermitteln, analysieren wir drei Dimensionen:

Die Angebotsseite analysiert die Exportleistung Usbekistans bei verschiedenen Textilprodukten. Dafür werden der Exportwert, die Exportwachstumsrate, der Index des komparativen Kostenvorteils, der Weltmarktanteil und der Index der Handelsspezialisierung ermittelt.

Die Nachfrageseite zeigt die vielversprechendsten Märkte für die ermittelten Produkte, indem die Größe und die Wachstumsrate des Weltmarkts und der einzelnen Märkte betrachtet werden.

Die Dimension der Handelskosten gibt die Kosten der Exporte in ein bestimmtes Land im Vergleich zu anderen Bestimmungsländern an. Zu den hier verwendeten Indikatoren gehören Preise im Vergleich zu Wettbewerbern, die Nähe zu Zielmärkten und der Zollschutz.

Die Analyse wurde in zwei Schritten durchgeführt. Zunächst wurden die 20 wichtigsten Produkte auf der Grundlage von Angebot und globaler Nachfrage ermittelt, anschließend wurden die 10 wichtigsten Zielländer für die identifizierten Produkte auf der Grundlage von Nachfrage und Handelskosten bestimmt.

Usbekistans Exportpotenzial bei Textilien

Die Analyse ergab, dass zu den 20 Produkten mit dem größten Exportpotenzial vor allem gestrickte oder gehäkelte Bekleidung und Stoffe gehören.

Im Rahmen der derzeitigen Handelspräferenzen sind die EAWU und die EU die Märkte mit dem größten Exportpotenzial. Der Nahe Osten und Südasien bieten ein erhebliches Potenzial, wenn sie ihre Märkte öffnen.

Exportpotenzial nach Partnern: Szenario ohne Zölle

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Die Analyse erlaubt auch Aussagen über die relativen Vor- und Nachteile, die Usbekistan für die identifizierten Produkte und Märkte im Vergleich zu den Wettbewerbern hat. Usbekistan weist einen starken Entfernungsvorteil auf. Das Land ist sehr oft näher an den Zielmärkten als seine Wettbewerber und dürfte in der Lage sein, Produkte schneller zu liefern.

Usbekistan weist einen moderaten Vorteil bei den Importzöllen auf. Die Importzölle für usbekische Produkte sind häufig niedriger als für Wettbewerber. Weitere Handelsabkommen können diese Situation weiter verbessern.

Usbekistan hat einen geringen Preisvorteil. Das bedeutet, dass es nur in wenigen Fällen einen besseren Preis als die Konkurrenz anbieten kann. Der Preisvorteil besteht vor allem bei Baumwollstoffen und Bettwäsche. Bei Bekleidung bieten die Wettbewerber oft günstigere Preise als Usbekistan an.

Diese Ergebnisse gelten auch unter den aktuellen Bedingungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und dessen Auswirkungen auf die Handelswege. Der Handel läuft weiter, vor allem mit nicht verderblichen Waren wie Textilien, trotz der Grenzschließungen zwischen der EU und Russland, längerer und weit weniger vorhersehbarer Transportzeiten und bis zu 30% höherer Kosten, wie Logistikunternehmen berichten.

Fazit und Empfehlungen

Die Analyse zeigt ein hohes Exportpotenzial für usbekische Textilprodukte in die EAWU und die EU. Das Potenzial im Nahen Osten und in Südasien ist ebenfalls groß, wenn die Zölle für usbekische Produkte aufgehoben werden. Die usbekische Regierung sollte sich daher bemühen, einen besseren Zugang zu diesen Märkten zu schaffen.

Ein Nachteil der usbekischen Textilproduktion sind die hohen Kosten im Vergleich zur Konkurrenz. Die Kosten könnten durch Verbesserungen der Technologie und Handelserleichterungen gesenkt werden. Eine parallele und wahrscheinlich noch vielversprechendere Strategie könnte darin bestehen, höhere Preise zu erzielen. Dazu müssten eigene Modemarken entwickelt und eine ethische und ökologisch nachhaltige Produktion von Textilien sichergestellt werden.

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Dieser Newsletter basiert auf dem Policy Briefing Export Potential of Uzbekistan’s Textiles and Apparel on the Global Markets