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Emily Häntschel, Veronika Movchan

Exportförderung für den Textilsektor

Das Ende des EU GSP+ Status für Armenien führt zu einer geringenen internationalen Wettbewerbsfähigkeit des lokalen Textilsektors. Welche Maßnahmen zur Verbesserung der Exportchancen können ergriffen werden?

  • Armenien
NL 3 | Januar-Februar 2022
Außenhandel und regionale Integration
Zusammenfassung

Das Ende des EU GSP+ Status für Armenien hat eine geringere internationale Wettbewerbsfähigkeit des armenischen Textilsektors zur Folge. In diesem Zusam-menhang interviewten wir armenische Exporteure, um Handlungsempfehlungen zur Exportförderung abzugeben. Die eingeschränkte internationale Wettbe-werbsfähigkeit ergibt sich insbesondere aufgrund einer niedrigen Produktivität, komplizierter Zollprozeduren und unzuverlässiger Exportrouten.
Die Wettbewerbsfähigkeit des Textilsektors kann durch eine bessere Arbeitsproduktivität gesteigert werden. Wir empfehlen den Aufbau eines dualen Be-rufsausbildungssystems. Zur Vereinfachung der Zoll-abfertigung schlagen wir eine Digitalisierung der Ab-läufe vor. Ferner empfehlen wir die primäre Verwen-dung der Transaktionswertmethode bei der Zollwertermittlung. Zur Verbesserung des Exporttransports empfiehlt sich die Aushandlung regulärer Luftfrachtrouten mit den Haupthandelspartnern.
Die Außenhandelsbemühungen sollten sich dabei auf die Haupthandelspartner Russland und Ukraine fokus-sieren. Auf diesen Märkten haben armenische Beklei-dungstextilien das größte Exportpotenzial.

Das Ende des GSP+Status für Armenien

Im Januar 2022 endete der EU GSP+ Status für Armenien. Diese Zollpräferenz ermöglichte zuvor denn zollfreien Export in die EU für einen Großteil armenischer Waren. Bisherige Studien des German Economic Team zeigen erhebliche negative Auswirkungen auf armeni-sche Textilexporteure durch den Wegfall des GSP+ Status.
Der Einfuhrzoll für Bekleidungstextilien stieg von 0% auf 11,8%. Aufgrund von geringen Profitmargen zwischen 3% und 5% können Unternehmen ihre Preise kaum reduzieren. Langfristige Handelsverträge mit EU-Partnern sind daher in Gefahr. Kurzfristig wird der Export von Bekleidungstextilien voraussichtlich um USD 39 Mio. sinken.
Mittel- bis langfristig, behindert das Ende des EU GSP+ Status armenische Bemühungen neue Exportaufträge für den EU-Markt zu generieren. Um die fehlenden Zollpräferenzen wirtschaftlich ausgleichen zu können, braucht der armenische Textilsektor eine bessere inter-nationale Wettbewerbsfähigkeit.

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Internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessern

Zum besseren Verständnis wettbewerbsmindernder Faktoren, befragten wir 18 armenische Textil- und Lederproduzenten. Die größten Probleme für Textilpro-duzenten sind der Mangel an Arbeitskräften, komplizierte Zollprozeduren und unzuverlässige Transportkorridore zu Exportmärkten.
Lederproduzenten berichteten über vergleichbare Probleme. Deren Exportfähigkeit ist jedoch weniger vom Wegfall des EU GSP+ Status bedroht, da nur 8% ihrer Gesamtexporte in die EU gehen. Eine Verbesserung der Exportbedingungen würde sich daher nicht nur positiv auf Exporteure, welche von den GSP+ Zollpräferen-zen abhängig waren, auswirken. Auch andere Export-eure könnten profitieren.

Mangel an Arbeitskräften

Die Produktion von Textilien und Bekleidung ist ein arbeitsintensiver Prozess. Gewisse Abläufe können kaum durch vollautomatisierte Maschinen ersetzt werden. Defizite im Bildungssystem führen jedoch zu einem Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskräften. Dadurch ist die Produktivität des Sektors im Vergleich zu internationalen Wettbewerbern gering. Der sich somit ergebende niedrige Lohn ist für gut ausgebildete Arbeitnehmer unattraktiv. Die Produktivität des Sektors bleibt in der Folge auf einem niedrigen Niveau.
Daher empfehlen wir den Aufbau eines dualen Ausbildungssystems. Die Ausbildung würde sowohl in einem Betrieb als auch an einer Berufsschule erfolgen. Mit der vermehrten Ausbildung Jugendlicher wäre ein entsprechendes Arbeitskräfteangebot längerfristig gesichert. Dank fachgerechter Ausbildung der Arbeitneh-mer, erhöht sich die Arbeitsproduktivität und der Sektor kann höhere Löhne zahlen. Somit könnten zusätzliche Arbeitskräfte gewonnen werden.

Komplizierte Zollabläufe

Armenische Textil- und Lederproduzenten beklagen Probleme bei der Einfuhr von Rohstoffen oder Zwischenprodukten. Zollbeamte würden oft nicht die Transaktionswertmethode bei der Zollwertermittlung verwenden. Der Zollwert würde aus fiskalischen Gründen erhöht werden. Zur Verbesserung der Zollabwicklung empfehlen wir die primäre Verwendung der Transaktionswertmethode bei der Zollwertermittlung. Außerdem verlängern die übermäßigen Formalitäten bei Ein- und Ausfuhr von Waren die Dauer der Zollabfertigung auf bis zu eine Woche. Dokumentarische Anforderungen sollten vereinfacht werden. Abläufe könnten durch Prozessdigitalisierung und unter Verwendung von elektronischen Dokumenten automatisiert werden.

Unzuverlässige Transportwege

Exporte nach Russland werden hauptsächlich auf dem Landweg über den Larsi Grenzübergang transportiert. Daher ist die Transportdauer höchst abhängig von den Wetterbedingungen und kann zwischen einer Woche und einem Monat variieren. Dies veranlasst Exporteure den dreimal teureren Lufttransport zu nutzen. Die Transportkosten könnte durch Verhandlung von regulären Luftfrachtrouten mit den Haupthandelspartnern verringert werden. Außerdem könnten die georgisch-russischen Bemühungen zum Bau eines Tunnels am Larsi Grenzübergang unterstützt werden. Beispielsweise durch die Betonung der Bedeutung des Tunnels für Armenien gegenüber internationalen Geldgebern.

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Größtes Exportpotential

Um den negativen Auswirkungen des Wegfalls des GSP+ Status kurz- bis mittelfristig beizukommen, empfehlen wir eine Fokussierung der Außenhandelsbemühungen auf Produkte mit dem größten Exportpotenzial auf Schlüsselabsatzmärkten. Insbesondere armenische gestrickte und gehäkelte Bekleidungstextilien sind auf dem russischen und ukrainischen Markt sehr gefragt.

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Fazit

Die negativen Folgen des Wegfalls des GSP+ Status für Armenien können ein guter Anstoß für generelle Reformen in den Bereichen Berufsausbildung, Zollabfertigung und Transportwege sein. Entsprechende Reformen würden sich auch positiv auf andere armenische Exportprodukte und Absatzmärkte auswirken.

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