Es läuft für die usbekische Wirtschaft: über 7% Wachstum
Die usbekische Wirtschaft wuchs in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 um beeindruckende 7,6%. Getragen wurde dies durch eine anhaltend starke Konsumnachfrage sowie weiterhin steigende Investitionen, die in 9M2025 um 15,2% zunahmen. Gleichzeitig geht die Inflation kontinuierlich zurück und erreichte im Oktober dieses Jahres 7,8%, was sowohl auf die restriktive Geldpolitik der Zentralbank als auch auf die Aufwertung des Som gegenüber dem US-Dollar zurückzuführen ist. Ebenfalls ermutigend ist die deutliche Reduktion des Leistungsbilanzdefizits auf geschätzte 3,3% des BIP im Jahr 2025 sowie der Rückgang des Haushaltsdefizits auf 3% des BIP. Die Leistungsbilanz profitierte von einem starken Exportwachstum, insbesondere bei Gold, sowie von einem Anstieg der Rücküberweisungen um 25% in 10M2025. Der Staatshaushalt wiederum profitierte von steigenden Steuereinnahmen und sinkenden Subventionen.
Insgesamt weist die usbekische Wirtschaft neben einem hohen Wachstum sehr solide makroökonomische Fundamentaldaten auf. Diese komfortable Lage bietet eine günstige Gelegenheit, die laufenden Reformen voranzutreiben, ohne starke negative Effekte zu riskieren.
Wachstumsrate steigt
Die usbekische Wirtschaft wuchs in 9M2025 um 7,6% und übertraf damit die bereits hohen Erwartungen. In seiner jüngsten Prognose geht der IWF für das Gesamtjahr von einem Wachstum von 7,3% aus. Diese Entwicklung wird von einer soliden Nachfrage der privaten Haushalte sowie von robusten Investitionen getragen.
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Die Investitionen stiegen in 9M2025 um 15,2%, während der Konsum in der ersten Jahreshälfte um mehr als 10% zunahm. Das Konsumwachstum steht sowohl im Zusammenhang mit steigenden Löhnen als auch mit kräftigen Rücküberweisungen. Alle Sektoren tragen zum Wachstum bei: Die Industrie wuchs in 9M2025 um 7,3%, der Dienstleistungssektor um 8,7% und der Bausektor sogar um 14,2% im Jahresvergleich – ein Spiegelbild der starken Investitionsdynamik. Die Landwirtschaft legte im gleichen Zeitraum um 3,8% zu. Für 2026 lassen die aktuellen Prognosen eine leichte Abschwächung des Wirtschaftswachstums auf etwas über 6% erwarten. Sollten sich die derzeitigen Trends jedoch fortsetzen, könnte das Wachstum höher ausfallen.
Wichtig ist zudem, dass kürzlich eine weitere Revision des BIP vorgenommen wurde. Nach der Revision im Jahr 2024, die sich auf Restaurants und Bauwirtschaft konzentrierte, zielt die neue Revision auf methodische Verbesserungen ab, darunter die vollständige Einbeziehung außerbudgetärer Fonds, die zuvor nur teilweise in die BIP-Berechnung eingeflossen waren. Infolge dieser Anpassungen wurde das BIP für 2024 um rund 5,6% nach oben korrigiert. Auch wenn sich die Wachstumsrate dadurch nicht wesentlich verändert, beeinflusst dies naturgemäß Indikatoren, die im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung gemessen werden, wie etwa Haushalt, Staatsverschuldung oder Leistungsbilanz.
Inflation sinkt und der Som wertet auf
Im Gegensatz zum starken Wirtschaftswachstum und der robusten Nachfrage ist die Inflation weiter zurückgegangen. Im Oktober fiel sie auf 7,8% gegenüber dem Vorjahresmonat. Dies steht sowohl im Zusammenhang mit dem Abklingen der Energiepreissteigerungen des vergangenen Jahres als auch mit der restriktiven Geldpolitik der Zentralbank Usbekistans. Im März hatte die Zentralbank den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 14% p.a. angehoben, um die erhöhten Inflationserwartungen einzudämmen. Um den rückläufigen Trend der Inflation nicht zu gefährden, wurde der Zinssatz trotz sinkender Inflationserwartungen auf diesem relativ restriktiven Niveau beibehalten.
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Die Verlangsamung der Inflation hängt auch mit der Aufwertung des Som gegenüber dem US-Dollar zusammen, die teilweise durch einen starken Anstieg der Rücküberweisungen begünstigt wurde. Der Som wertete zwischen April und November 2025 um 8% auf. Seit April erlaubt die Zentralbank zudem größere tägliche Schwankungen des Som, sodass Marktkräfte von Angebot und Nachfrage nach Devisen stärker wirken können. Insgesamt wird erwartet, dass die Inflation bis Ende 2027 auf 5% sinkt, was dem mittelfristigen Ziel der Zentralbank entspricht.
Rückgang des Leistungsbilanzdefizits
Das Leistungsbilanzdefizit, das bislang als einer der wenigen makroökonomischen Schwachpunkte galt, ist deutlich zurückgegangen. Nach einem Defizit von 7,6% des BIP im Jahr 2023 und 4,7% im Jahr 2024 wird für dieses Jahr nur noch ein moderates Defizit von 3,3% des BIP erwartet.
Zu dieser Verbesserung haben zwei Entwicklungen beigetragen. Erstens stiegen die Exporte deutlich: In 9M2025 nahmen die Warenexporte um 34% gegenüber dem Vorjahr zu. Dieses Bild wird jedoch dadurch getrübt, dass die höheren Goldexporte der Haupttreiber dieses Wachstums waren. Von einem gesamten Exportanstieg von 5 Mrd. USD entfielen fast 4,5 Mrd. USD auf Gold. Der starke Anstieg des Goldpreises spielte dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Im Gegensatz dazu wuchsen die Warenimporte im gleichen Zeitraum um 14% bzw. 3,5 Mrd. USD. Der absolute Zuwachs der Exporte übertraf somit den der Importe.
Ein ähnliches Muster zeigt sich im Dienstleistungssektor, in dem Usbekistan einen Handelsüberschuss aufweist. Die Dienstleistungsexporte wuchsen absolut stärker als die Importe, was zusätzlich zur Verringerung des Leistungsbilanzdefizits beitrug.
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Neben dem Handel war der zweite große Faktor für den Rückgang des Leistungsbilanzdefizits der starke Anstieg der Rücküberweisungen. Nach Angaben der Zentralbank stiegen diese in 10M2025 auf 15,8 Mrd. USD, was einem Anstieg von 25% gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Dieser Trend dürfte sich in absehbarer Zeit fortsetzen. Das Leistungsbilanzdefizit wird daher voraussichtlich auf einem niedrigen bis moderaten Niveau bleiben.
Geringere Staatsverschuldung
Das Haushaltsdefizit, das 2023 noch fast 5% des BIP betrug, ist ebenfalls deutlich zurückgegangen. Für 2025 wird ein Defizit von 3% des BIP erwartet, das voraussichtlich auch im kommenden Jahr beibehalten wird. Diese Verbesserung spiegelt das starke Wirtschaftswachstum und höher als erwartete Steuereinnahmen wider, darunter bei der Umsatzsteuer. Gleichzeitig sind die Ausgaben – etwa für Energiesubventionen – gesunken.
Das geringere Defizit und das kräftige Wirtschaftswachstum haben gemeinsam dazu geführt, dass die Staatsverschuldung im Jahr 2025 unter 30% des BIP liegen wird.
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Fazit
Das Wachstumstempo hat sich in diesem Jahr gegenüber der bereits starken Entwicklung der Vorjahre weiter erhöht. Gleichzeitig wurden potenzielle makroökonomische Schwachstellen – insbesondere das erhöhte Leistungsbilanz- und Haushaltsdefizit – deutlich reduziert. Usbekistan befindet sich daher in einer komfortablen Lage.
Aus unserer Sicht sollte die gute wirtschaftliche Situation als Ergebnis einer soliden Wirtschaftspolitik verstanden werden. Zugleich eröffnet sie die Möglichkeit, laufende Reformen zu beschleunigen, ohne starke negative Effekte auf die Wirtschaft zu riskieren. Dazu gehören der Abbau subventionierter Kredite sowie die Nutzung des günstigen Umfelds zur Forcierung der Privatisierung.