Energiewende in Nordmazedonien: Fortschritte und Hürden
Das Stromnetz Nordmazedoniens stützte sich lange Zeit auf heimische Braunkohle, die relativ günstigen Strom bei geringer Importabhängigkeit lieferte. Da die Vorkommen immer schwieriger zu erschließen sind, wird der Primärenergiemix zunehmend durch Importe von Öl, Gas und mittlerweile auch Kohle selbst geprägt. Der Kohleausstieg ist daher sowohl aus Gründen der Energiesicherheit als auch des Klimaschutzes unerlässlich. Er erfordert jedoch einen sozial gerechten Übergang („Just Transition“) für kohleabhängige Regionen sowie ausreichende Ersatzkapazitäten zur Wahrung der Versorgungssicherheit. Durch Gas und erneuerbare Energien wird diese Lücke allmählich geschlossen. Gas ist allerdings nach wie vor von wenigen Importwegen abhängig, während der rasche Ausbau der Solarenergie größere Speicherkapazitäten, Ausgleichskapazitäten und grenzüberschreitenden Handel erfordert. Dabei verändert das CO₂-Grenzausgleichssystem der EU (CBAM) die Rahmenbedingungen für die angestrebte Marktkopplung und Investitionen in erneuerbare Energien. Die Bewältigung dieser miteinander verbundenen Herausforderungen wird für einen erfolgreichen Kohleausstieg von zentraler Bedeutung sein.
Hoher Anteil fossiler Brennstoffe, steigende Importe
Der Primärenergieverbrauch Nordmazedoniens wird nach wie vor von fossilen Brennstoffen dominiert. In der Vergangenheit stützte sich das Energiesystem stark auf heimische Braunkohle. Deren Förderung ist jedoch schrittweise zurückgegangen, da die Abbaubedingungen schwieriger geworden sind und sich die Qualität der Braunkohle verschlechtert hat.
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Infolgedessen hat sich der Anteil der Kohle am Primärenergiemix seit 2005 fast halbiert, wobei ein Großteil der Lücke durch Erdölprodukte und Erdgas geschlossen wurde. Der Anteil von Erdgas stieg besonders stark an, von 2% im Jahr 2005 auf 12% im Jahr 2024.
Der Rückgang des Braunkohleabbaus und der steigende Öl- und Gasverbrauch haben die Abhängigkeit von Energieimporten erhöht. Ihr Anteil am Energieverbrauch stieg von 37% im Jahr 2005 auf 66% im Jahr 2024. Darüber hinaus führt der Ersatz von heimischer Braunkohle durch importierte Kohle zu einem Anstieg der Energiekosten, ohne dass dadurch ein Klimavorteil entsteht.
Gründe und Hürden für den Kohleausstieg
Diese Trends belegen die Notwendigkeit eines beschleunigten Kohleausstiegs, der zudem unerlässlich ist, um die Klimaziele zu erreichen und Umweltschäden sowie Luftverschmutzung zu verringern. Dabei gibt es jedoch zwei große Herausforderungen. Erstens benötigen kohleabhängige Regionen einen sozial gerechten Übergang („Just Transition“). Zweitens muss die Stromerzeugung aus Kohle durch ausreichende alternative Erzeugungskapazitäten ersetzt werden, um die Energiesicherheit zu gewährleisten. Im Rahmen seines Nationalen Energie- und Klimaplans (NECP) hat sich Nordmazedonien verpflichtet, die Kohlekraftwerke in Bitola und Oslomej bis 2030 stillzulegen. Die Umsetzung dieses Zeitplans bleibt jedoch ungewiss, was die noch bestehenden Herausforderungen des Übergangs widerspiegelt.
Ersatz von Kohle durch Gas und erneuerbare Energien
Nordmazedonien war in den letzten 15 Jahren fast jedes Jahr Nettoimporteur von Strom. Daher ist eine ausreichende inländische Ersatzkapazität besonders wichtig. Die mit Gas betriebene Kraft-Wärme-Kopplung wurde bereits stark ausgebaut und stieg von etwa 5% der Gesamtstromerzeugung im Jahr 2012 auf rund 18% im Jahr 2025. Als flexible, regelbare Energiequelle kann Gas die Ausgleichsfunktion der Kohle teilweise ersetzen und die weitere Abhängigkeit von Stromimporten begrenzen. Allerdings ist Gas trotz der geringeren Emissionen als Kohle nicht klimaneutral, und sollte daher nicht zu einer langfristigen Abhängigkeit werden. Nordmazedonien ist zudem auf eine einzige Importroute durch Bulgarien angewiesen, die historisch mit russischem Gas verbunden ist, was ein konzentriertes Versorgungsrisiko darstellt. Zu den Diversifizierungsbemühungen gehören der Gasimport aus Aserbaidschan und der Bau einer Verbindungsleitung nach Griechenland, die den Zugang zur Trans-Adriatic-Pipeline ermöglichen würde.
Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, angeführt von Photovoltaik, ist rasant gewachsen, wobei die Solarleistung 2025 besonders stark zugenommen hat. Im Gegensatz zu Gas können erneuerbare Energien die Stromerzeugung aus Kohle ersetzen und gleichzeitig die Abhängigkeit von importierten Brennstoffen verringern. Die schwankende Leistung der Solaranlagen erfordert jedoch eine stärkere Netzintegration und einen besseren Lastausgleich. Zwei wichtige Instrumente hierfür sind Batteriespeicher sowie der grenzüberschreitende Stromhandel. Das Land strebt eine Marktkopplung mit der EU an, die einen solchen Handel effizienter machen würde. Ein wichtiger Schritt hierfür war die Einführung eines Intraday-Strommarkts im Mai 2026.
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CBAM als Herausforderung für die EU-Marktkopplung
Das CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) der EU stellt eine Herausforderung für die angestrebte Marktkopplung dar. Seit dem 1. Januar 2026 werden CO₂-Kosten auf in die EU importierten Strom erhoben, die sich nach den bei seiner Erzeugung verursachten Emissionen richten. Bei der Marktkopplung werden Gebote und Angebote verschiedener nationaler Märkte automatisch abgeglichen und zugleich grenzüberschreitende Kapazitäten zugewiesen. Dadurch lässt sich grenzüberschreitender Strom keinem bestimmten Erzeuger und dessen Emissionen zuordnen. Derzeit gibt es keine technische Lösung, die es ermöglicht, CBAM parallel zu dieser Form der Marktkopplung anzuwenden.
Die CBAM-Verordnung sieht daher eine Ausnahme für Strom aus gekoppelten Drittlandsmärkten vor, sofern energie- und klimapolitische Bedingungen erfüllt sind. Nach geltendem Recht entsteht jedoch ein zeitliches Problem: Die Ausnahme setzt Marktkopplung voraus, während CBAM diese erschwert. Eine laufende Reform der CBAM-Verordnung soll dies entschärfen. Vorgesehen ist, dass die Europäische Kommission nach bestätigter Rechtsangleichung an das EU-Strommarkt-Acquis ein Memorandum vereinbaren kann, das den Zeitplan für die Ausnahme und CO₂-Bepreisung festlegt. Nordmazedonien hat kürzlich einen wichtigen Schritt gemacht, indem es den Abschluss der rechtlichen Angleichung an das EU-Stromintegrationspaket gemeldet hat, der nun formell überprüft wird. Weitere Anforderungen betreffen insbesondere Klimaneutralität bis 2050 und ein Emissionshandelssystem mit einem CO₂-Preis, der dem des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) bis 2030 entspricht.
CBAM und Investitionsanreize
Ein dringenderes Problem ist die Kluft zwischen den Strompreisen im Westbalkan und den benachbarten EU-Märkten. Anfang 2026 lagen die Preise im Westbalkan deutlich niedriger, während der grenzüberschreitende Handel mit der EU zurückging. Zwar spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, doch CBAM-bedingte Kosten haben den Exportanreiz verringert und zur Divergenz beigetragen. Auch Erzeuger erneuerbarer Energien sind betroffen. Obwohl sie Strom ohne direkte CO₂-Emissionen erzeugen, wird dieser im Rahmen des CBAM nicht automatisch als emissionsfrei behandelt. Es gelten länderspezifische Standardwerte, sofern die tatsächlichen Emissionen nicht durch akkreditierte Überprüfung, Rückverfolgbarkeit und strenge Bedingungen in Stromabnahmeverträgen nachgewiesen werden können. Diese Anforderungen sind oft schwierig oder unmöglich zu erfüllen. Sollten schwächere Exportmöglichkeiten und niedrigere Inlandspreise anhalten, könnten die Einnahmen aus erneuerbaren Energien und damit die Investitionsanreize sinken. Die Europäische Kommission hat Änderungen vorgeschlagen, die den Nachweis tatsächlicher Emissionen erleichtern und die Berechnung der Standardwerte anpassen würden. Die Vorschläge befinden sich noch im EU-Gesetzgebungsprozess.
Ausblick
Die Energiewende hängt nun von der Umsetzung ab: dem Ausstieg aus der Kohle bei Unterstützung der betroffenen Regionen, der Diversifizierung der Gasversorgung und dem Ausbau erneuerbarer Energien, um die Versorgungslücke zu schließen. Für die EU-Strommarktintegration wurden mit dem Intraday-Strommarkt und der gemeldeten Umsetzung des EU-Stromintegrationspakets wichtige Fortschritte erzielt. Ebenso wichtig wird es sein, die mit CBAM verbundenen Herausforderungen für Marktintegration und Investitionen in erneuerbare Energien zu bewältigen. Dies erfordert weitere Fortschritte bei der Marktkopplung und die Erfüllung der EU-Bedingungen für eine CBAM-Befreiung.
Dieser Newsletter basiert auf unserer Policy Study „Energy sector monitor North Macedonia 2026“ und unserem Policy Briefing „Impact of CBAM on electricity exports from North Macedonia to the EU“.
Quellen
- Energy Community Secretariat. (2026, July 1). North Macedonia takes a step closer to EU electricity market coupling. [Press release]. Abgerufen am 3. August 2026 von https://www.energy-community.org/news/Energy-Community-News/2026/7/1.html
- Energy Community Secretariat. (2026, July 27). CBAM quarterly report: 2026/2. https://www.energy-community.org/dam/jcr:849e0116-9c54-44d5-a583-4eb8d0c85076/EnCS_CBAM_Quarterly_Report_2026_2.pdf
- Regulation (EU) 2023/956 of the European Parliament and of the Council: establishing a carbon border adjustment mechanism. (2023, May 10). Official Journal of the European Union, L 130, 52–104, Article 2(7). https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/956/oj
- MAKSTAT database. (2024). Energy balances, in thousand tonnes of oil equivalent, by years. [Dataset]. Abgerufen am 24. April 2026 von https://makstat.stat.gov.mk/PXWeb/pxweb/en/MakStat/MakStat__Energija__EnergetBilansi/175_Ene_Mk_EnBilT_ang.px/
- MAKSTAT database. (2025). Electricity in MWh, by months. [Dataset]. Abgerufen am 8. Mai 2026 von https://makstat.stat.gov.mk/PXWeb/pxweb/en/MakStat/MakStat__Energija__MesecEnergetStatistiki/125_Ene_Mk_EEmes_ml.px/