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Pavel Bilek, Alina Kunde

Dieses Mal ist es anders: Moldaus Energiesektor im Winter 2025/26

Nach vier von Energiekrisen geprägten Wintern ging Moldau deutlich gestärkt in den Winter 2025/26, insbesondere im Gassektor. Die Lieferungen wurden frühzeitig gesichert, die Beschaffungssteuerung verbessert und die erwarteten Gaspreise lagen unter denen des Vorjahres. Diese Veränderungen stellen eine klare Abkehr von den Notfallmaßnahmen dar, die die letzten Winter geprägt hatten. Die Situation im Strombereich ist jedoch komplexer. Trotz des raschen Ausbaus erneuerbarer Energien und der geringeren Abhängigkeit von der Infrastruktur in der Region Transnistrien bleibt Moldau in Zeiten von Spitzenbedarf strukturell von Importen abhängig. Begrenzte grenzüberschreitende Kapazitäten und die Anfälligkeit für regionale Schocks bedeuten, dass Kälteperioden nach wie vor schnell zu einer Belastung des Systems führen. Darüber hinaus werden die Energietarife zwar gegenüber dem Vorjahr gesenkt, doch das Auslaufen der Energiesubventionen wird für die Bevölkerung zu höheren Energiekosten führen. Dennoch sind die Aussichten für den Energiesektor insgesamt positiv, da Fortschritte bei den erneuerbaren Energien erzielt wurden, eine ambitionierte Auktion für Wind- und Batterieprojekte ansteht und die Umsetzung wichtiger Reformen der Energiegemeinschaft fortgesetzt wird.

  • Moldau
NL 93 | Januar-Februar 2026
Energie und Klima
Wie Moldau in diese Situation kam

Seit 2021 wird die Energieabhängigkeit Moldaus durch drei sich überschneidende Faktoren geprägt: günstiges russisches Gas, Stromimporte aus der Region Transnistrien (die mit russischem Gas betrieben wird) und geringe inländische Erzeugungskapazitäten. Das Aus-laufen des langfristigen Vertrags mit Gazprom, Lieferkürzungen im Jahr 2022 und die Einstellung der Stromlieferungen aus der Region Transnistrien im Winter 2024/25 erforderten eine rasche Diversifizierung. All diese Schocks waren mit hohen wirtschaftlichen Kosten verbunden, trugen jedoch dazu bei, lange aufgeschobene Reformen zu beschleunigen, die nach und nach zu einer größeren Diversifizierung und Widerstandsfähigkeit sowohl im Gas- als auch im Stromsektor führten.

Erdgas: Von Verwundbarkeit zur relativen Stabilität

Die wichtigsten Entwicklungen im Gassektor im Jahr 2025 waren vor allem institutioneller Natur. Gazprom stellte im Jan-25 die Gaslieferungen an die Region Transnistrien ein, was den Entflechtungsprozess nach jahrelangen Verzögerungen endlich beschleunigte. Die Regulierungsbehörde entzog Moldovagaz wegen mangelnder Einhaltung der Vorgaben die Lieferlizenz, so-dass das Unternehmen nur noch für die Verteilung zuständig ist. Energocom wurde als alleiniger öffentlicher Lieferant benannt und ist nun vollständig für die Gasbeschaffung und -versorgung verantwortlich.

Mit einem einzigen Abnehmer und klareren Regeln reduzierte Moldau das operative und politische Risiko im Gasversorgungsmanagement. Dies spiegelte sich auch im Gasbeschaffungsprozess wider. Während sich die Gasbeschaffung 2024/25 verzögerte und zu hohen Preisen führte, hatte Energocom zu Beginn der Heizperiode 2025/26 rund 700 Mio. m³ Gas beschafft, was 100% des Winterbedarfs deckte, und die vorgeschriebene Speicherpflicht in benachbarten Systemen erfüllt. Das Gas wurde über eine Mischung aus Festpreis- und indexierten Verträgen gekauft, wobei die Lieferung über die gesamte Saison verteilt war und die erwarteten Einkaufspreise auf etwa 410 EUR/1.000 m³ geschätzt wurden, was etwa 24% unter dem Vorjahreswert liegt.

Trotz deutlicher Fortschritte bleibt Moldau den inter-nationalen Preisschwankungen ausgesetzt, da ein erheblicher Teil der Verträge an europäische Referenzwerte gebunden ist. Ohne eigene Speicher können zudem, Infrastrukturstörungen in Nachbarländern trotz vertraglich vereinbarter Mengen weiterhin Risiken bergen.

Strom: Der ungelöste Engpass

Die Stromversorgung bleibt Moldaus größte Schwach-stelle. Der Spitzenbedarf liegt bei etwa 1.050 MW, während die inländische Erzeugung, bestehend aus zwei KWK-Anlagen, kleinen Wasserkraftwerken und einem zunehmenden Anteil erneuerbarer Energiequellen, in der Heizperiode nur etwa ein Drittel davon abdeckt. Die Integration erneuerbarer Energien hat sich als hilfreich erwiesen, doch während der Spitzenzeiten im Winter besteht nach wie vor ein erheblicher Engpass, sodass Moldau strukturell von Importen aus Rumänien abhängig bleibt.

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Moldau ist mit ENTSO-E synchronisiert und hat Übertragungsleitungen mit Rumänien und der Ukraine. Allerdings reicht die kommerzielle Importgrenze von 315 MW nicht aus, um den Spitzenbedarf zu decken. Wenn die Nachfrage darüber liegt, ist Moldau auf freie Kapazitäten in der Ukraine, Notimporte (oft teurer) oder im Extremfall auf Einschränkungen angewiesen, um Ausfälle zu vermeiden. Die neue 400-kV-Übertragungsleitung Vulcănești–Chișinău, die im März fertiggestellt werden soll, verbessert die Systemstabilität und verringert die Infrastrukturabhängigkeit von der Region Transnistrien. Die grenzüberschreitende Importkapazität erhöht sie jedoch nicht, da sie weiterhin am selben Kuppelpunkt ansetzt.

Damit wird die Preisbildung im moldauischen Stromsystem weiter stark von externen Faktoren beeinflusst: rumänische Großhandelspreise, ukrainische Netzbedingungen, Gaspreise (die sich auf die Kosten der Kraft-Wärme-Kopplung auswirken) und die Temperatur, die sich auf die Nachfrage auswirkt.

Die Kapazität der erneuerbaren Energien (EE) ist dagegen schnell gewachsen und lag Ende 2025 bei fast 933 MW, was einer Verzwölffachung gegenüber 2020 entspricht. Die Erzeugung bleibt zwar schwankend und saisonal, doch der Ausbau hat die Stromproduktion erhöht, vor allem durch Eigenverbrauchsanlagen sowie ältere Net-Metering- und neuere Net-Billing-Regeln. Vor allem Solar-PV wächst stark, aber auch durch größere Projekte wird zunehmend Windenergie integriert.

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Auswirkungen auf private Haushalte

Die Vorbereitungen der Regierung im Jahr 2025 waren für die Tarife insgesamt positiv, wenn auch mit Vorbe-halten. Im Gassektor führten bessere Beschaffung und Steuerung dazu, dass die Gastarife für Haushalte nicht stiegen. Im Jan-26 wiesen Ankündigungen der Regulierungsbehörde und des Energieministeriums auf eine geplante Tarifsenkung um etwa 10% hin, die im Februar bestätigt werden sollte.

Im Stromsektor wurden bereits im Aug-25 Tarifsenkungen umgesetzt, wodurch die Tarife gegenüber den Höchstständen im Januar 2025 zurückgingen. Die Senkung betrug 12% für Verbraucher in den zentralen und südlichen Regionen sowie 15% im Norden. Dennoch lief die von der EU finanzierte, nicht zielgerichtete Subventionierung der Stromrechnungen, die von Feb-25 bis Nov-25 galt, aus. Zusammen mit kälterem Wetter stieg dadurch der durchschnittliche Strompreis für Verbraucher um fast 25%. Infolgedessen haben die Haushalte seit Dez-25 trotz unveränderter regulierter Tarife deutlich höhere Stromrechnungen; Unterstützung ist nur noch auf vulnerable Haushalte begrenzt.

Ausblick

Ende Jan-26 kam es in Moldau zu einem Stromausfall, der durch eine Störung im ukrainischen Stromnetz ausgelöst wurde. Der Vorfall war zwar nicht direkt Folge russischer Angriffe auf das ukrainische Energiesystem, zeigt aber die weiter bestehende Anfälligkeit des moldauischen Stromsektors. Dennoch bleiben die Aussichten für den moldauischen Energiesektor insgesamt positiv. Die ENTSO-E-NTC-Kapazität für den Block Ukraine-Moldau wurde Anfang Januar um 300 MW auf 2.450 MW erhöht, wodurch mehr kommerzielle Übertragungskapazitäten zur Verfügung stehen. Moldau baut zudem weiter erneuerbare Energien aus und hat eine neue gemeinsame Ausschreibung für 170 MW Windenergie und 44 MWh Speicherkapazität angekündigt. Dies ist nicht nur die erste Ausschreibung für Batterie-Energiespeichersysteme (BESS) in Moldau, sondern auch das erste Mal, dass ein Mitglied der Energiegemeinschaft eine solche gemeinsame Ausschreibung umsetzt. Moldau hat auch bei der Umsetzung des Besitzstands der Energiegemeinschaft gute Fortschritte erzielt und zum zweiten Mal in Folge die besten Ergebnisse unter den EG-Ländern erzielt.

Gleichzeitig bleibt noch viel zu tun: Ausbau der erneu-erbaren Energien und der Übertragungskapazitäten, Integration von BESS und Sicherung bezahlbarer Ener-giepreise für Haushalte. Dennoch ist die Transformati-on des Energiesektors des Landes seit 2021 erfolgreich verlaufen und hat die Widerstandsfähigkeit und Ener-gieunabhängigkeit gestärkt.

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Quellen