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Felix Schwickert

Der Iran-Konflikt treibt Inflation und bremst Wachstum in Kosovo

Der Iran-Konflikt wirkt sich in erster Linie durch gestiegene Ölpreise auf Kosovo aus. Ölprodukte, die vollständig importiert werden, machen ein Drittel des gesamten Primärenergieverbrauchs aus. Unter Annahme eines kurzlebigen Konflikts führen höhere Preise zu einem Anstieg der Kosten für Ölimporte um rund 121 Mio. EUR bzw. 1,1% des BIP. Da Exportpreise stabil bleiben, verschlechtern sich dadurch die Terms of Trade Kosovos. Das Leistungsbilanzdefizit dürfte stabil bleiben. Der IWF geht davon aus, dass höhere Ölimporte durch geringere Importe anderer Güter kompensiert werden. Höhere Kraftstoff- und Lebensmittelpreise treiben die Inflationsprognose des IWF für 2026 von 3,1% auf 5,9% in die Höhe. Die höhere Inflation verringert das reale verfügbare Haushaltseinkommen und dämpft das Wachstum des privaten Konsums. Entsprechend wurde die Prognose des IWF für das reale BIP-Wachstum im Jahr 2026 von 3,8% auf 3,3% gesenkt. Insgesamt ist die Wirtschaft Kosovos relativ stark vom Iran-Konflikt betroffen.

  • Kosovo
NL 29 | Mai - Juni 2026
Makroökonomische Analysen und Prognosen
Der Iran-Konflikt und seine Folgen für globale Märkte

Nach Angaben des IWF werden rund 25–30% des weltweiten Öl- und LNG-Handels über die Straße von Hormus abgewickelt. Die derzeitige Blockade dieser Passage führt zu einem Anstieg der durchschnittlichen Preise für Rohöl, Ölprodukte und Gas, wobei das Ausmaß von der Dauer und der Intensität des Konflikts abhängt. Auch die Preise für aus Gas hergestellte Düngemittel sind gestiegen, jedoch dürften die kurzfristigen Auswirkungen begrenzt sein, da ein Großteil des Bedarfs für die aktuelle Saison bereits gedeckt ist. Bislang steigen internationale Lebensmittelpreise nur moderat und es gibt keine größeren Lieferengpässe.

Wie der Konflikt Kosovo trifft

Kosovo ist hauptsächlich durch seine Ölimporte anfällig gegenüber Preis-Schocks infolge des Iran-Konflikts.

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Ölprodukte machen rund 33% des Primärenergieverbrauchs aus und werden vollständig importiert. Der Großteil des Energiebedarfs Kosovos wird durch heimische Braunkohle gedeckt.
Im Jahr 2025 beliefen sich die Ölimporte auf rund 575 Mio. EUR, was 5,2% des BIP entspricht. Ein illustratives Szenario verdeutlicht das potenzielle Ausmaß der Auswirkungen des Iran-Konflikts auf den Kosovo. Bereits bei einer kurzen Konfliktdauer (Annahme: Ölpreise steigen im Jahresmittel um 21% im Vgl. zum Vj.) würden die Ölimportkosten Kosovos um etwa 121 Mio. EUR zunehmen, was 1,1% des BIP entspricht. Dies würde einen erheblichen Importpreisschock darstellen. Es wird also erwartet, dass das Land trotz der dominierenden Rolle von heimischer Braunkohle im Energiemix erheblich vom Iran-Konflikt betroffen sein wird.

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Auswirkungen auf den Außenhandel

Der IWF rechnet für 2026 mit einem Leistungsbilanzdefizit von 10,5% des BIP und geht davon aus, dass der Iran-Konflikt dieses nicht nennenswert beeinflussen wird. Aufgrund des oben beschriebenen Preisanstiegs dürften die Ölimportkosten deutlich steigen, da die Nachfrage nach Ölprodukten, insbesondere Kraftstoffen, kurzfristig relativ preisunelastisch ist. Die höheren Ölimportkosten dürften die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte und damit den Konsum nicht-essenzieller Güter verringern. Da der Konsum weitgehend durch Importe gedeckt wird, dürften die Importe anderer Güter als Öl zurückgehen und so den Anstieg der Ölimporte ausgleichen. Der Gesamtwert der Importe dürfte daher weitgehend stabil bleiben.

Kosovo exportiert vor allem tourismusbezogene Dienstleistungen an seine Diaspora. Die Exporte dürften daher vom Iran-Konflikt nicht wesentlich betroffen sein. Insgesamt stellt der Konflikt für Kosovo einen negativen Terms-of-Trade-Schock dar: Die Importpreise steigen, während die Exportpreise weitgehend unverändert bleiben.

Auswirkungen auf die Inflation

Für 2026 prognostiziert der IWF eine durchschnittliche Inflationsrate von 5,9%. Gegenüber der früheren Prognose von 3,1% entspricht dies einer deutlichen Aufwärtskorrektur. Der Iran-Konflikt wird die seit Anfang 2025 anhaltende Phase erhöhter Inflation in Kosovo voraussichtlich verschärfen und verlängern. Haupttreiber sind höhere Preise für Kraftstoff und Lebensmittel. Der starke Anstieg internationaler Kraftstoffpreise schlägt relativ schnell auf die Verbraucherpreise durch, da Kraftstoffe für den Individualverkehr 6% des Warenkorbs ausmachen. Dies ist im internationalen Vergleich ein ungewöhnlich hoher Anteil. Lebensmittel, die überwiegend importiert werden, machen 34% des Warenkorbs aus. Während die globalen Lebensmittelpreise bislang nur moderat gestiegen sind, haben die Transportkosten für Lebensmittel deutlich zugenommen. Angesichts ihres hohen Gewichts können bereits geringe Preisanstiege bei Lebensmitteln erhebliche Auswirkungen auf die Inflation haben.

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Auswirkungen auf das reale BIP-Wachstum

Der IWF hat seine Prognose für das reale Wachstum im Jahr 2026 aufgrund des Iran-Konflikts deutlich von 3,8% auf 3,3% nach unten korrigiert. Es wird erwartet, dass sich der Konflikt vor allem über die Nachfrageseite auf das reale BIP auswirkt. Höhere Kraftstoff- und Lebensmittelpreise treiben die Inflation an und verringern damit die Kaufkraft der privaten Haushalte. Dies wiederum schwächt den Konsum von nicht-essenziellen Gütern. Der Konflikt bremst das Wachstum somit vor allem durch die Dämpfung des privaten Konsums.

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Regionaler Vergleich

Im Vergleich zu anderen Ländern der Region ist Kosovo relativ stark vom Iran-Konflikt betroffen. Das Ausmaß der Auswirkungen ist bemerkenswert, da Kosovo kein Erdgas importiert und seine Ölimporte im regionalen Vergleich moderat sind. Die zusätzliche Belastung durch höhere Ölimportkosten ist jedoch gemessen an der Wirtschaftskraft des Landes beträchtlich.

Ein weiterer Faktor ist, dass die Transportkosten für Lebensmittelimporte in Kosovo stärker gestiegen sind als anderswo. Weil Kosovo ein von Gebirgen umgebener Binnenstaat ohne Eisenbahnverbindung ist, hängen die Lebensmittelimportpreise für das Land stark von Kraftstoffpreisen ab. Da der Großteil der in Kosovo konsumierten Lebensmittel importiert wird und Lebensmittel im Warenkorb ein hohes Gewicht haben, wirken sich steigende Lebensmittelimportpreise deutlich auf die Inflation aus und dämpfen über den privaten Konsum auch das Wachstum.

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Ausblick

Die in diesem Newsletter dargestellten, revidierten Prognosen beruhen auf der Annahme eines kurzlebigen Konflikts. Das jüngste Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran gibt Anlass zu vorsichtigem Optimismus, dass diese Annahme zutrifft. Halten die Störungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus jedoch an, werden die negativen Auswirkungen auf Kosovos Wirtschaft stärker ausfallen als bislang angenommen.

PDF Download

Dieser Newsletter basiert auf dem Policy Briefing „Economic implications of the Iran conflict for Kosovo“.

 

Quellen