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Björn Vogler, Julian Milek

Definition von Zielgruppen für die Investitionspromotion

Bisher konnte Kosovo sein Potenzial beim Anwerben von Investitionen sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht nur unzureichend ausschöpfen. Um dies zu ändern, muss das Land gezielt vorgehen.
Ausgehend von den Ergebnissen unserer Zielgruppenanalyse sollte der Fokus zunächst in den Bereichen IT/BPO (Business Process Outsourcing) sowie Möbel und Kunststoffindustrie liegen. Für diese Zielgruppen
empfehlen wir systematische und proaktive Investitionspromotionsmaßnahmen.

  • Kosovo
NL 04 | März-April 2022
Entwicklung des Privatsektors
Hintergrund: Kosovo als Investitionsstandort

Die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen blieben in den letzten zehn Jahren auf einem eher niedrigen Niveau. Der Schwerpunkt lag auf Investitionen im Immobilienbereich, während wissens- und exportorientierte Industrien nur einen geringen Anteil ausmachten. Das German Economic Team wurde gebeten, potenzielle Zielgruppen für zukünftige Maßnahmen der Investitionspromotion zu identifizieren, um mit einem gezielten Ansatz sowohl Quantität als auch Qualität und Wirkung von FDI zu erhöhen.

Zielgruppenanalyse

Die Zielgruppenanalyse wurde in mehreren Stufen durchgeführt. In einem ersten Schritt wurde eine Shortlist potenzieller Zielgruppen mit u.a. der IT/BPO-, Metall-, Kunststoff-, Lebensmittelverarbeitungs-, Holz- und Möbelindustrie erstellt. Insbesondere wurden folgende Aspekte berücksichtigt:
• sich abzeichnende Veränderungen in Wertschöpfungsketten (z.B. Nearshoring)
• das Potenzial, eine ausreichende Anzahl möglicher
Investoren effektiv zu erreichen
• Anpassung an den bestehenden strategischen Rahmen

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Im nächsten Schritt wurde eine vertiefende Analyse der Vorauswahl durchgeführt, die sich auf die Dimensionen (1) Investitionspotenzial, (2) Entwicklungswirkung und (3) Wettbewerbsposition konzentrierte. Dazu wurden Interviews mit Branchenexperten auf internationaler Ebene geführt und weitere Quellen, wie z.B. Studien zu Investitionstrends, einbezogen. Die Tabelle oben fasst die Ergebnisse der Zielgruppenanalyse zusammen.

Hinsichtlich des Investitionspotenzials sticht die IT/BPO-Branche deutlich hervor. Der Informations- und Kommunikationssektor ist weltweit die führende Branche in Bezug auf FDI-Greenfield-Projekte – mit einem Anteil von 22% aller Projekte im Jahr 2020. Auch in Kosovo wies diese Branche eine hohe Investitionsdynamik auf. Zu erwähnen ist u.a. ein Projekt des deutschen Decacorns Celonis, das auf KI-Anwendungen zur Analyse von Unternehmensprozessen spezialisiert ist.

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Hinsichtlich der Entwicklungswirkung können sich ausländische Direktinvestitionen in allen untersuchten Zielgruppen positiv auf die Schaffung von Arbeitsplätzen und die Steigerung von Exporten auswirken und einen Modernisierungsprozess unterstützen, der auch die Ressourcen- und Energieeffizienz verbessert. Die Beschäftigungseffekte variieren quantitativ und qualitativ. Während beispielsweise IT-Projekte hochqualifizierte Arbeitsplätze vor allem in städtischen Gebieten schaffen, können Investitionen in der lebensmittelverarbeitenden Industrie und teilweise in der Möbelindustrie (z.B. Polstermöbel) eine wichtige Rolle für ländliche Gebiete und für die Beschäftigung von Frauen spielen. Mit Blick auf Verflechtungsbeziehungen und Spillover-Effekte bieten insbesondere die IT- und Möbelbranche ein vielversprechendes Potenzial.

In Bezug auf die Wettbewerbsposition sind die wichtigsten Stärken und Schwächen Kosovos von Branche zu Branche von unterschiedlicher Bedeutung. So haben die niedrigen Lohnkosten eine höhere Relevanz für die IT/BPO- und lebensmittelverarbeitende Industrie sowie für arbeitsintensive Segmente der Kunststoff- und Möbelindustrie wie Spritzguss und Polstermöbel. Auf der anderen Seite ist der Arbeitskostenvorteil für kapitalintensivere Projekte in der Metall- und Holzindustrie weniger relevant.

Auf internationaler Ebene verschärft sich der Wettbewerb zwischen Standorten insbesondere in der IT/BPO Industrie, der Land-/Ernährungswirtschaft und der Metallindustrie. Wie jüngste Umfragen bestätigen, gehören diese Branchen zu den Top-15 Zielgruppen von Investitionsförderungsagenturen (IPAs). Im Vergleich dazu ist der Wettbewerb um FDI-Projekte in der Kunststoff-, Möbel- und Holzindustrie weniger intensiv.

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Empfohlene Maßnahmen zur Investitionspromotion

Ausgehend von der Bewertung sollte der Schwerpunkt von Investitionspromotionsmaßnahmen zunächst auf folgenden Branchen liegen:
• IT/BPO: z.B. Software, Mobile App und Webentwicklung, Cloud Security, Software Testing, BPO
• Möbel: z.B. Metall- und Holzbauteile, Polstermöbel
• Kunststoffe: z.B. spritzgegossene Kunststoffkomponenten, Werkzeugbau, Kunststoffrecycling.

Über diese Branchen hinweg sollte ein besonderer Schwerpunkt auf Segmenten liegen, die weniger empfindlich auf (geo)politische und Investitionsklimarisiken reagieren. Das Potenzial der Diaspora zu mobilisieren, gilt als vielversprechender Ansatz.

Für die priorisierten Zielgruppen werden systematische proaktive Maßnahmen der Investitionspromotion empfohlen. Direktansprache-Kampagnen sollten mit Social-Media-Aktivitäten und (virtuellen) Events kombiniert werden. Des Weiteren sollen Netzwerke mit Intermediären in den Zielgruppen auf nationaler und internationaler Ebene gestärkt werden. Im Kosovo könnte die Zusammenarbeit mit Industrieverbänden, internationalen Organisationen wie der GIZ, die die Entwicklung und Vermarktung des ITP Innovation & Training Park Prizren unterstützt, und bereits ansässigen Investoren eine praktikable Option sein.

Ausblick

Die Ergebnisse der Zielgruppenanalyse wurden bereits intensiv mit Ministerien, Agenturen und Verbänden in Kosovo diskutiert. Sie bieten Orientierung für die Vorbereitung und Durchführung künftiger Fördermaßnahmen sowie für die Gestaltung damit zusammenhängender Strategien und Programme.

So werden sich beispielsweise die priorisierten Zielgruppen und Maßnahmen in der neuen Industriestrategie von Kosovo widerspiegeln, die derzeit entwickelt wird und in der die Förderung von Investitionen einen Schwerpunkt bilden wird.

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