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Valeriu Prohnițchi

Beschleunigung des Wachstums: Chancen und Herausforderungen

Ein zentrales Ziel der moldauischen Regierung ist es, das wirtschaftliche Wachstum zu beschleunigen. Wir verwenden einen systemdynamischen Modellierungsansatz, der makroökonomische und demografische Daten kombiniert, um das langfristige Wachstum in Moldau zu prognostizieren.

  • Moldau
NL 80 | November - Dezember 2023
Makroökonomische Analysen und Prognosen

Unsere Ergebnisse zeigen, dass erhöhte Investitionen allein nicht ausreichen, um nachhaltiges Wachstum zu gewährleisten. Stattdessen sind gesteigerte Effizienz, sowie höhere Beschäftigungs- und Investitionsraten entscheidend, um das Wachstum allmählich zu steigern. Um langfristig höhere Wachstumsraten zu erreichen, sind jedoch dauerhafte Effizienzsteigerungen nötig, da das Arbeitskräftepotential durch die negative demografische Entwicklung sinkt.

Wachstumszerlegung Moldaus

Wir verwenden eine Cobb-Douglas-Produktionsfunk-tion, um das Wachstum in Moldau anhand von Arbeit, Kapital und Gesamtfaktorproduktivität (TFP) zu untersuchen. Das potenzielle Wachstum ist seit Anfang der 2000er aufgrund der schwachen Produktivität zurückge-gangen. Das Kapital hat moderate, aber positive Bei-träge zum Gesamtwachstum geleistet, während der Bei-trag der Arbeit erst seit 2019 knapp positiv ist.

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Einschränkungen des Wachstums

Ein entscheidendes Hindernis für das Wirtschaftswachs-tum in Moldau ist der rückläufige Arbeitsmarkt. Die Be-völkerung sank zwischen 2014 und 2023 um 12%, was hauptsächlich auf hohe Auswanderungsraten zurückzu-führen ist. Insbesondere in der erwerbsfähigen Bevölke-rung war die Auswanderung stark ausgeprägt, was zu einem überproportionalen Rückgang von 20% der Alters-gruppe von 15 bis 64 Jahren führte. Gleichzeitig wuchs die Bevölkerung im Alter von 65 Jahren und älter um 27%, während die Anzahl der Kinder um 10% abnahm.

Dies führte zu einem Anstieg der wirtschaftlich abhängi-gen Bevölkerung um 4%, was die finanzielle Belastung für die erwerbsfähige Bevölkerung erhöhte, und die Gesamtnachfrage schwächte. Als partiellen Ausgleich für die abnehmende erwerbsfähige Bevölkerung stieg die Beschäftigungsquote von 36,5% im Jahr 2014 auf 40,2% im Jahr 2022. Auch die durchschnittliche Arbeitszeit er-höhte sich von 36,7 Stunden pro Woche im Jahr 2014 auf 37,7 Stunden im Jahr 2022. Dennoch liegt Moldau immer noch hinter allen osteuropäischen Ländern.

Weitere Herausforderungen ergeben sich aus den struk-turellen Besonderheiten bei Investitionen. Staatsunter-nehmen tragen ein Drittel der gesamten Kapitalinvestitionen bei, wobei die Investitionen pro Mitarbeiter 8-mal höher sind als in einem durchschnittlichen Privatunternehmen. Gleichzeitig sind private Unternehmen im Durchschnitt 3-mal effizienter als staatliche Unternehmen (gemessen am Umsatz pro Mitarbeiter). Dies spiegelt ein ungewöhnliches Verhältnis zwischen Investition und Effizienz wider: Zu viele staatliche Unternehmen führen zu Effizienzverlusten, während zu wenige zu Ver-lusten bei den Investitionen führen. Die langsame Umsetzung von Investitionsprojekten ist eine weitere Quelle der Investitionsineffizienz. Es dauert etwa 2,3 bis 3,0 Jahre zwischen der Finanzierung und der Inbetriebnahme neuer Anlagen. Diese Verzögerung ist auf Finan-zierungsbeschränkungen zurückzuführen, da 70% der Investitionen aus Eigenmitteln finanziert werden. Regulatorische Hürden und komplexe technische Umsetzung sind ebenfalls wichtige Faktoren.

Wachstumsszenarien

Wir entwickeln fünf Wachstumsszenarien, die verschiedene Parameter berücksichtigen: die Beschäftigungsquote, die Arbeitsstunden, die Gründungsraten und durchschnittlichen Investitionen von öffentlichen und privaten Unternehmen, die Schließungsrate von öffentlichen Unternehmen, sowie die Dauer der Umsetzung von Investitionsprojekten.

Das Baseline-Wachstumsszenario basiert auf einer linearen Fortführung der historischen Trends, wobei eine Steigerung der Beschäftigungsquote und der Arbeits-stunden berücksichtigt wird. Die Gründung neuer privater Unternehmen erfolgt mit einer leicht niedrigeren Rate aufgrund des Bevölkerungsrückgangs. Im arbeits-getriebenen Wachstumsszenario steigt die Beschäftigungsquote stetig an, und die Arbeitszeit erhöht sich schneller als in der Baseline. Im investitionsgetriebenen Wachstumsszenario wird von einer Beschäftigungsquote auf Baseline-Niveau ausgegangen jedoch mit hö-heren Investitionen insbesondere in staatlichen Unternehmen.

Das produktivitätsgetriebene Szenario (TFP) behält das Ausgangswachstum bei, legt aber den Schwerpunkt auf Verbesserungen im regulatorischen und finanziellen Umfeld. Dazu gehört, dass die Regierung bei der Gründung neuer staatlicher Unternehmen zurückhaltender und bei der Schließung ineffizienter Unternehmen rigoroser vorgeht und die Dauer von Investitionsprojekten verkürzt. Im kombinierten Szenario steigt die Beschäftigungsquote in Richtung des osteuropäischen Niveaus. Die staatliche Unternehmenspolitik ist weniger strikt als im produktivitätsgetriebenen Szenario, jedoch ent-schlossener, das Investitionsumfeld zu verbessern.

Ergebnisse

Die Baseline-Wachstumsraten werden trotz steigender Beschäftigung und Investitionen voraussichtlich im niedrigen einstelligen Bereich bleiben und langfristig möglicherweise abnehmen.

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Das durch Beschäftigung getriebene Wachstum ähnelt dem durch Produktivität getriebenen Wachstum. In bei-den Fällen erreicht die Wachstumsrate 4,5% bis 2030. Im Szenario mit produktivitätsgetriebenem Wachstum verlangsamt sich das Wachstum jedoch gegen Ende des Simulationszeitraums aufgrund der Begrenzung von maximal 42 Arbeitsstunden pro Woche. Das investitionsgetriebene Wachstum beginnt langsamer und bleibt unter den Szenarien mit beschäftigungsgetriebenem und pro-duktivitätsgetriebenem Wachstum. Das kombinierte Szenario scheint bei weitem das attraktivste zu sein. Es ermöglicht Wachstumsraten von bis zu 7% jährlich bis 2030. Daher sollte Moldau ein optimales Gleichgewicht zwischen einer höheren Beschäftigungsquote (mit ange-messen langen Arbeitszeiten), einem leicht erhöhten In-vestitionswachstum im Vergleich zum Basisszenario und gesteigerter Effizienz finden.

Schlussfolgerungen

Um nachhaltiges Wachstum zu erreichen, sollten Maß-nahmen vorrangig darauf abzielen, die Beschäftigungsquote zu erhöhen, indem wirtschaftlich inaktive Gruppen integriert werden, dazu gehören Frauen, Einwande-rer oder Menschen, die Sozialhilfe erhalten. Bei den In-vestitionsstrategien sollte der Schwerpunkt auf der Ver-besserung alternativer Finanzierungsquellen liegen, wie dem Kapitalmarkt, Pensionsfonds und Crowdfunding. Dies wird auch eine Verkürzung der Umsetzungszeiten von Investitionen ermöglichen. In Bezug auf die Effizienz sollte der Fokus auf langfristiger Nachhaltigkeit liegen, insbesondere da die anfängliche Effizienzsteigerung abnimmt. Die Anstrengungen sollten darauf ausgerichtet sein, die Effizienz staatlicher Unternehmen zu steigern und die Widerstandsfähigkeit privater Unternehmen zu stärken. Staatliche Unternehmen, die in wettbewerbsintensiven Märkten tätig sind, sollten sich hin zur Privati-sierung bewegen, während bei anderen das Management professionalisiert werden sollte.

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Dieser Newsletter basiert auf unserem Policy Briefing “Accelerating growth in Moldova: opportunities and constraints”

Bild: ©Adobe Stock#218615517 von Casmiro