Armeniens IT-Sektor: aktueller Boom und zukünftige Chancen
In den letzten Jahren konnte der armenische IT-Sektor ein bemerkenswertes Wachstum verzeichnen. In 2021 machte er 3,5% der Wirtschaftsleistung aus. Bis 2024 hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt: mit 8,3% lag sein Anteil weit über dem der IT-Sektoren vergleichbarer Länder. Der Hauptgrund für dieses starke Wachstum war der erhebliche Zustrom russischer IT-Spezialisten seit 2022.
In Verbindung mit bestehenden Anreizen und Bildungsprogrammen hat dieser Zustrom einen IT-Boom ausgelöst. Zudem bieten der beeindruckende Talentpool und das innovative Umfeld starke Investitionsaussichten und Kooperationsmöglichkeiten. Neben den Stärken in den Bereichen IT und Halbleiter verfügt Armenien auch über Potenzial in der Softwareentwicklung, in F&E-Funktionen, in Testsystemen für Luft- und Raumfahrt sowie in der Robotik.
Starkes Wachstum durch Zuzug russischer Fachkräfte
Der IT-Sektor war in den letzten Jahren ein wichtiger Motor des Wirtschaftswachstums. In 2021 machte er 3,5% der Bruttowertschöpfung (BWS) aus. Bis 2024 wuchs er um beeindruckende 351%. Dies entspricht einer jährlichen nominalen Wachstumsrate von 88% – deutlich höher als die der sich ebenfalls sehr dynamisch entwickelnden Wirtschaft. Der Anteil des Sektors an der BWS erreichte 2024 bemerkenswerte 8,3%. Dieser Wert ist mehr als doppelt so hoch wie in anderen vergleichbaren Ländern wie Belarus, der Ukraine und Russland.
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Ein wesentlicher Faktor hinter dem aktuellen Aufschwung ist der Zustrom russischer IT-Spezialisten seit 2022. Der Zustrom ausländischer Fachkräfte und Unternehmen trug dazu bei, dass sich die Entwicklung Armeniens als IT-Standort beschleunigte, da es zu einer Stärkung der Fachkräfte und Innovationsdynamik kam. Der IT-Boom spiegelt sich daher nicht nur in der BWS wider, sondern auch in vielen anderen Indikatoren.
Jüngste Entwicklungen und strukturelle Wandlungen
Die Computerprogrammierung (d.h. Software- und Hardwareprogrammierung, Wartung und Beratung) ist die Hauptaktivität im armenischen IT-Sektor. Nach dem Zustrom russischer IT-Spezialisten stieg die in diesem Bereich erwirtschaftete BWS zwischen 2021 und 2024 um beeindruckende 409%. Andere Sektoren wie Medienproduktion, Informationsdienstleistungen und Fertigung verzeichneten ebenfalls ein starkes Wachstum, wuchsen jedoch bei weitem nicht so dynamisch. Entsprechend stieg der BWS-Anteil der Computerprogrammierung im IT-Sektor von 72% in 2021 auf 82% in 2024.
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Auch sind starke Arbeitsmarktdynamiken zu beobachten: Zwischen 2021 und 2024 hat sich die Anzahl der Arbeitsplätze im IT-Sektor fast verdoppelt und erreichte 44.400 Stellen. Entsprechend stieg der Anteil an der Gesamtbeschäftigung von 1,9% in 2021 auf 3,8% in 2024. Unter Vergleichsländern weist nur die Ukraine einen höheren Anteil auf (2023: 4,6%). Da russische IT-Spezialisten überdurchschnittlich hohe Löhne bezogen, haben sie den Gesamtdurchschnitt in die Höhe getrieben.
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Der Durchschnittslohn in US-Dollar hat sich somit nahezu verdoppelt. Selbst unter Berücksichtigung der starken Aufwertung des armenischen Dram stiegen die in Landeswährung denominierten Löhne um 52%. Es ist anzumerken, dass auch in anderen Wirtschaftsbereichen die Löhne stark zugenommen haben. Dennoch liegen sie weiterhin deutlich unter denen im IT-Sektor. Im Vergleich zu anderen Ländern hat Armenien die Ukraine (2023: 2,207 USD) und Russland (2,051 USD) überholt.
Neben dem starken Wachstum bei Beschäftigung und Löhnen, welches den Anstieg der BWS begünstigte, wuchs auch die Produktivität des Sektors. Gemessen in US-Dollar stieg diese zwischen 2021 und 2024 um 141% an war damit 2,3-mal höher als in der Gesamtwirtschaft.
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Der armenische IT-Sektor ist stark exportorientiert. In 2024 machten IT-Exporte (vorwiegend Dienstleistungen) 14,2% der Gesamtexporte aus. Darüber hinaus ist der Sektor auch ein wichtiger Steuerzahler. In 2024 trug er 6,3% der gesamten Steuereinnahmen bei. Dieser Anteil liegt jedoch unter dem Anteil an der BWS und spiegelt somit die vorteilhafte Behandlung des Sektors im armenischen Steuerrecht wider.
Verankerung in Bildung und Infrastruktur
Der Zustrom russischer IT-Spezialisten war zweifellos ein wichtiger Wachstumsmotor. Es sollte jedoch auch das attraktive Innovationsumfeld in Armenien gewürdigt werden. Ein wesentlicher Faktor ist der starke Talentpool, der tief im Bildungssystem verwurzelt ist. Die zahlreichen technischen Ausbildungsprogramme wie Armath Engineering und die TUMO-Zentren wecken schon in jungen Jahren das Interesse an Hightech-Spezialisierungen, was sich in der stetig wachsenden Zahl von IKT-Studierenden an den Universitäten widerspiegelt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Unternehmen ermöglicht eine direkte Integration von Talenten in den Arbeitsmarkt. Dies wird durch verschiedene finanzielle Anreize weiter unterstützt. Ebenso fördern zahlreiche IT-Parks sowie Risikokapital- und Angel-Netzwerke das Wachstum von Unternehmen.
Potenzielle Investitionsmöglichkeiten
Aus der Perspektive deutscher Unternehmen haben wir potenzielle Sektoren identifiziert, in denen eine Zusammenarbeit mit Armenien vielversprechend sein könnte. Neben seinen Stärken in den Bereichen IT und Halbleiter verfügt Armenien über erhebliches Potenzial in der Softwareentwicklung, der Forschung und Entwicklung sowie bei Testsystemen, insbesondere in Nischenbereichen wie Luft- und Raumfahrt und Robotik.
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Ausblick
Der derzeitige Aufschwung im armenischen IT-Sektor hat die Produktivität erheblich gesteigert und zieht große Aufmerksamkeit aus dem Ausland auf sich. Zuletzt konnte eine Investition in Höhe von 500 Millionen US-Dollar für das KI-Fabrikprojekt „Firebird“ gesichert werden. Das Projekt sieht den Bau eines großen Rechenzentrums in Armenien vor, welches Platz für bis zu 25.000 NVIDIA Blackwell-GPUs bieten wird. Bereits in der ersten Phase (geplant für 2026) soll das künftige Rechenzentrum weltweit den 14. Platz in Bezug auf die potenzielle Rechenleistung einnehmen. Dies wird die Aktivitäten des IT-Sektors weiter steigern und neue Unternehmen anziehen. Obwohl all diese Entwicklungen sehr positiv sind, sollte beachtet werden, dass der Talentpool in Armenien begrenzt ist. Ein entscheidender nächster Schritt, um die Branche zu stärken, ist der Wandel von der derzeit vorherrschenden Outsourcing-Aktivität hin zu einer fortschrittlicheren Produktentwicklung.
Dieser Newsletter basiert teilweise auf dem Policy Briefing „IT Sector Monitor Armenia“ und der Policy Study „Segmentation for investment attraction measures targeting selected German